#FilmTipp White Snail

(c) ch.dériaz

Flirt mit dem Tod

Nach den Space Dogs sind es jetzt die weissen Achatschnecken, die sich in Elsa Kremsers und Levin Peters neuem Film, White Snail, tummeln.
Tatsächlich sind die Schnecken metaphorisches Beiwerk, Nebendarsteller, denen die Figuren ähneln: auffällig und zurückgezogen gleichzeitig, neugierig tastend, aber jederzeit bereit, sich wieder zurückzuziehen.

 

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Die junge Masha, Fotomodel-Schülerin, zeigt eine fast anachronistische, jugendliche Todessehnsucht.
So wirklich klar, warum sie einen Selbstmordversuch verübt, wird es nie. Eher folgt die Tat einer allgemeinen Melancholie, oder Weltverzweiflung. Belarus ist vermutlich momentan auch keine so prickelnder Ort für junge Erwachsene. Auch Misha, ein eigenbrötlerischer Angestellter einer Leichenhalle, tut sich schwer mit Kontakten, mit lebenden Menschen. Als Masha sich mit einem Schwindel Einlass in die Leichenhalle verschafft, entwickelt sich zwischen beiden eine Freundschaft.

Dunkel, fast dokumentarisch


In langsamem Erzähltempo bewegt sich die Geschichte vorwärts. Beide, Masha und Misha, scheinen in Welten losgelöst von ihrer Umgebung zu schweben. Während Misha nach der Arbeit in der Leichenhalle krude, alptraumhafte Bilder malt, arbeitet Masha ehrgeizig weiter an ihrer Model-Karriere, Ziel: ein Job in China.

In dunklen, fast dokumentarischen, Bildern entwickeln sich Szenen von grosser Zartheit und gleichzeitig grosser Sachlichkeit. Nachdem die anfängliche Lüge aus dem Weg ist, wird die Beziehung zusehends intensiv, ohne Richtung klassischer Liebesbeziehung zu kippen. Mit der Nähe kommt aber auch das Erkennen der Schwächen und Ängste im Gegenüber. So harmonisch wie die Freundschaft anfängt, kann sie nicht, oder nicht ohne Knall, weitergehen. Wege, die sich kreuzen und wieder entfernen. Nähe, Freundschaft, Vertrauen und Verlust, die ganze Bandbreite einer Beziehung festgehalten im Mikrokosmos dieser beiden Sonderlinge.
Sehr, sehr schön ist das.
Der Film läuft weiterhin im Votiv Kino in Wien.

(c) ch.dériaz

 

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