#FilmTipp FatherMotherSisterBrother

(c) ch.dériaz

 

 

Eine Liebeserklärung an Geschwister

 

Ein schöner Episodenfilm von Jim Jarmusch.
Father Mother Sister Brother zeigt in kurzen und kurzweiligen Episoden leicht dysfunktionale Familientreffen.
Da ist der Vater, der anscheinend sehr gut davon lebt, seinem Sohn Geld für angeblich nötige Reparaturen abzuschwatzen. Oder die sehr britische Autorin, die ihre Töchter nur einmal im Jahr sieht, und ihre Gefühle zu den Kindern lieber mit ihrer Therapeutin bespricht. Und zum Schluss, das Geschwisterpaar, das die Welt ohne Eltern bewältigen muss.
In allen Episoden brillieren die Darsteller: Tom Waits als grummeliger, leicht hinterhältiger Vater, von Adam Driver und Mayim Bialik oder Mutter Charlotte Rampling mit Cate Blanchett als verhuschter Tochter an der Seite der aufsässigen Vicky Krieps. Familien, die sich nichts (mehr) zu sagen haben, und doch den Schein wahren. Was immer bleibt, der fast komplizenhafte Zusammenhalt der Geschwister.

Dialoglastig

 

(c) ch.dériaz

Zugegeben, der Film lebt von seinen Dialogen. Aber die sind wirklich gut und oft grotesk-komisch. Und trotz fast kammerspielhafter Räume finden sich immer Bilder, Bildausschnitte und Bildfolgen, die die Dialoge unterstützen und zeigen, dass sich Jarmusch eben nicht nur auf die Kraft der Worte verlässt, um seine Geschichte zu transportieren.
Besonders berührend ist die letzte, die Geschwister-Episode.
Die Zwillinge, wunderbar verspielt: Indya Moore und Luka Sabbat, zeigen, wie das – plötzliche – Fehlen von Vater und Mutter Raum gibt für Erinnerung, Zusammenhalt und erzählt auch hier von bizarren Familienverhältnissen. Der Zusammenhalt innerhalb der Geschwister, der sich in den beiden anderen Episoden andeutet, entfaltet hier seine volle Kraft.
Eine Liebeserklärung an Geschwister.

 

Wiederkehrende Elemente


Wie oft bei Jarmuschs Episoden-Filmen, tauchen einige Elemente in jeder Episode auf, eine Art roter Faden zwischen den Zeilen, der mal für Witz und manchmal für Zusammenhalt der Geschichte sorgt.
Und nach dem Film sollte das sehr britische „Bob’s you uncle“ überall bekannt sein und verstanden werden.

Der Film läuft im Original in Wien im Votiv Kino  und im Artis Kino.