#insKino Admiral

(c) ch. dériaz

Wer in Wien ins Kino gehen will, hat reichlich Auswahl, gerade was Programmkinos angeht. Und auch die Zahl der „Traditionskinos“ ist beeindruckend.
In der Burgasse 119, da wo der 7. Bezirk nicht mehr ganz so schick und gentrifiziert ist, gibt es seit 1913 das Admiralkino.
Das Kino selbst nennt sich Nahversorgerkino, also der „Tante-Emma-Laden“ oder die „Eckkneipe“ unter den Kinos.
Das ist eine hübsche, sympathische Idee und betont nebenbei den kulturellen Mehrwert, den ein Kino einem Wohnbezirk bringt, und das schon so viele Jahre.

 

Auch das Admiralkino ist nicht frei von Schatten, auch hier wurden die jüdischen Besitzer Margarethe und Ludwig Ebner vertrieben, ihr Betrieb „arisiert“; immerhin wurde im Fall des Admirals nach dem Krieg der Besitz zurückgegeben und die Familie hat das Kino dann verkauft.

 

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Vor etwa 11 Jahren war das Admiral von Schliessung bedroht, ein Aufschrei ging damals durch die Nachbarschaft, und schliesslich übernahm Michaela Englert das Kino.

 

Obwohl es mit digitaler Technik für die Filmvorführung ausgerüstet ist, steht der alte Filmprojektor noch funktionsfähig in der Vorführerkabine. Einer analogen Filmvorführung stünde nichts im Weg. Der Saal bekam kürzlich neue, bequeme Sitze mit reichlich Freiraum für die Beine, man sitzt gut.

Rote Sitze, was sonst
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Der Vorraum hingegen hat etwas Altmodisches an sich. Aber genau das macht den Ort aus, man freut sich auf die Vorstellung zu warten, dabei zu schauen und zu staunen, in Büchern zu stöbern und in Ruhe ein Glas Wein zu trinken.

Der Gang ins Kino: ein lineares und analoges Vergnügen, leise aber deshalb nicht weniger intensiv und schön.
Gezeigt werden hauptsächlich europäische Filme, oft solche, die es sonst nirgends zu sehen gibt, oder aber etwas später als in anderen Programmkinos, zum Nachsehen also.
Ein Kino für Menschen mit Zeit. Und an jedem ersten Donnerstag sogar für Menschen mit Hund, auch wenn das anscheinend mehr eine lustige Idee bleibt, denn ein Angebot, das wirklich genutzt wird – aber es könnte genutzt werden.

 

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Für alle, die das Admiralkino also noch nicht kennen der Vorschlag:
Hingehen, anschauen, Ticket kaufen, entspannen, entschleunigen. Wer weiss, vielleicht ist ja ein Kinogutschein auch ein schönes Weihnachtsgeschenk.

 

Zurzeit läuft unter anderem noch der wunderbar skurrile nordmazedonische Film Gott existiert, ihr Name ist Petrunya (Gospod postoi, imeto i’ e Petrunija).
Ein langsamer Film, der seine tolle Darstellerin Zorica Nusheva perfekt in Szene setzt. Schauen, wundern, Kopf schütteln, Freude haben; so geht Kino.

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