59.Solothurner Filmtage Landschaft

 

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Prognosen?

 

Die 59. Solothurner Filmtage sind auf den letzten Metern.
Bisher gab es viele schöne Filme zu sehen, der grosse Aha-Effekt, das wirklich originelle Werk, war bisher leider nicht dabei. Viel solides Handwerk, einige inhaltlich ungewöhnliche Perspektiven, aber keine Filme, die anecken könnten, die zu künstlerischen Diskussionen führen könnten. Welcher Film da also wirklich heraussticht, ist schwer zu sagen. Selbst beim Publikumspreis ist der akustische Applausmesser eher auf Mitte gestellt. Es wird also spannend.

 

 

Der Berg ruft zurück

 

Bergfahrt von Dominique Margot zeigt die Alpen in ihrer Gesamtheit als Natur-Kultur- und Wirtschaftsraum. Quer über die Staatsgrenzen sieht man Wissenschaftler, Künstler, Spinner, Anwohner und Bergsteiger, sieht, wie die Veränderungen in den Bergen untersucht und wahrgenommen werden. Klang und Frequenzaufnahmen lassen sich visuell darstellen und man sieht das Matterhorn tanzen, das ist witzig und anrührend und wirkt ein bisschen wie Zauberei. Das Tropfen, Zwitschern und Rauschen der Berge baut ein Tonkünstler zu einer Klanginstallation, und unter den Gletschern betreut ein Glaziologe die hochkomplexen Strukturen zum Messen der Wasserflüsse. Begleitet von spezialisierten Bergkameraleuten, steigt der Zuschauer mit zwei jungen Bergsteigern auf den Eiger. Alles zusammen lässt ein wahnsinnig schönes und manchmal auch erschütterndes Portrait der Alpen entstehen, jenseits von kitschigem Glühen und – weitgehend – jenseits von Tourismus Stereotypen. Bei einigen der Aufnahmen kann man dann feststellen, wie schwindelfrei man ist, selbst über den Umweg Leinwand kann das ganz schön am Gleichgewichtssinn ziehen.

 

Leere

 

Karim Sayad zeigt viel Leere in seinem Film 2G. Ehemalige Schlepper, die Menschen durch die Wüste von Niger nach Libyen gebracht haben, sind, nachdem die Regierung gegen Schlepperei vorgeht, faktisch arbeits- und perspektivlos. Was bleibt sind Mobiltelephone, die oft keinen Empfang haben, und ihre Autos, mit denen sie weiterhin versuchen Geld zu verdienen. Der Transport von Säcken voller Gestein, in dem sich – vielleicht – ein klein wenig Gold befindet, scheint die einzige Möglichkeit zu sein, irgendwie seinen Unterhalt zu bestreiten. Während die, die nach dem Gestein und dem versteckten Gold buddeln, die gänzlich Abgehängten der Region sind. Mit stimmungsvollen Bildern der Wüste, Nahaufnahmen der Gesichter und einem extrem langsamen Erzählrhythmus kommt man den Männern in der Gegend zunehmend nahe.

 

 

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Im Kreis gehen

 

Les histoires d’amour de Liv S. von Anna Luif fängt gut an und wird dann doch etwas seicht. Die diversen, fehl gelaufenen Lieben der Liv S. werden anfangs in kurzen Episoden und als kleine, lustige Rückblenden erzählt. Ist Liv doch gerade mit Geschrei und Türen knallend aus dem Haus ihrer aktuellen Liebe gerauscht. Rückblicke also, und Menschen auf ihrem Weg, die ihre Gedanken hören können und diese kommentieren und sie so zur nächsten Episode bringen. Aber im Lauf des Films fällt dieses versponnene Element der Interaktion weg, es bleiben die Rückblenden und die Episoden werden länger und sind weniger lustig. Mit dem Resultat, dass ein luftig-skurriler Film, trotz kurzer 76 Minuten, irgendwie lang wird. Das Beste, das man dann noch dazu sagen kann, ist: nett.

 

 

Rückkehr

 

1975 drehte der französische Dokumentarfilmer Pierre-Dominique Gaisseau bei den Kuna, einem indigenen Volk der Inseln Panamas, einen Film. Ein Jahr lang lebte er dort mit seiner Familie, filmte Alltag und Rituale und versprach, ihnen den fertigen Film zu zeigen. Aber dazu kam es nie. Fast 50 Jahre später dreht Andres Peyrot Dieu est une femme. Es ist die Geschichte des verlorenen Films, von dem im Ort immer noch erzählt wird. Es ist auch ein Zeugnis davon, wie früher Filmemacher eine ihnen fremde Kultur für ihre Zwecke nutzten und nach ihren Ideen von Exotischem umdeuteten. Und dann ist es doch noch eine Geschichte der Heimkehr. Denn in Frankreich tauchte doch noch eine Kopie des ursprünglichen Films auf, der restauriert und digitalisiert werden konnte. Peyrots erzählt feinfühlig, aber auch mit viel Kraft für Visuelles, egal ob es sich um sehr farbenfrohe Momente bei den Kuna handelt, oder ob es eine Montage der Restaurierung und ersten Vorführung in Paris handelt. Er spielt mit seinen Bildern, nutzt Farben und Bewegungen und kreiert daraus zum Teil überraschende Effekte.

 

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Der vorletzte Tag endet nass, aber mit einem Film, der ein bisschen von der bisher vermissten Originalität zeigt.

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