#Locarno75_ Das Wochenende

 

(c) ch.dériaz

 

Wochenendwolken

 

Die Abkühlung hat nicht lange gehalten.
Zum Wochenende, mit noch mehr Leuten in Locarno, brütet wieder eine feuchte Hitze über der Stadt.

 

Väter und Söhne

 

Ein, trotz seiner Schwarzweissbilder, gleissender Film:
A Perfect Day for Caribou von Jeff Rutherford. Ein Film, in dem die Landschaft in all ihrer Weite, trotz engen 4:3 Formats, den Menschen dominiert, ameisenhaft wirken lässt. Zunächst ein Vater, der sich umbringen will, und eine Art Lebensbeichte für seinen, ihm entfremdeten, Sohn auf Band aufnimmt. Doch dann taucht der Sohn auf, begleitet wiederum von dessen kleinem Sohn.
Bei aller Schönheit der Bilder braucht man die monologartigen Dialoge zwischen den Männern, um zu verstehen. Dennoch erzählt, wenn man erstmal weiss, worum es geht, die Bildkomposition alles, was man über ihre Gefühle, ihre Gefühlswelt und ihre Beziehung wissen muss. Sie erzählen von Entfremdung, von Leben, die nicht ideal laufen, von grossen und kleinen Enttäuschungen.
Ein Film wie eine Hemingway Geschichte.

 

Despoten

 

Skaska (Märchen) von Alexander Sokurov fängt ziemlich cool an und enttäuscht dann recht schnell.
Ein schwarz-weiss gezeichneter Wartesaal zum Himmel (oder doch zur Hölle?), in dem multiple Versionen von Hitler, Stalin, Mussolini und Churchill Einlass zu Gott begehren. Sie schwafeln und schwadronieren, ganz in ihren jeweiligen Rollen. Mal reden sie miteinander, mal mit ihren Varianten.
Technisch und bildlich ist das spannend. Die Mischung aus statischer Hintergrundzeichnung und bearbeiteten Realbildern der Diktatoren, all das sieht nach viel Fleissarbeit am Computer aus. Aber es hilft nicht gegen die Langeweile, die sich bald einstellt, weil es einfach keine Entwicklung in der Geschichte gibt. Mehrmals vermeint man, das Ende des Films zu sehen, aber nein. Weder das Crescendo aus wabernder, gesichtsloser Masse, die wie eine Welle die Diktatoren fortzuschwemmen droht, noch der Einlass zu Gott, einer der Churchill-Figuren, unbeirrt geht es weiter.
Als das Ende dann – endlich – da ist, weiss man dafür nicht wieso.

 

(c) ch.dériaz

 

Wenn alle korrupt sind

 

Einer der stärksten Filme bisher ist: Yak Tam Katia? von Christina Tynkevych. Geschichte, Kamera, Spiel, alles greift ineinander und ist als Gesamtheit toll.
Und das, obwohl es weder eine einfache noch eine nette Geschichte ist, die da erzählt wird. Eine junge Unfallärztin, alleinerziehend, lebt auf engstem Raum mit ihrer Tochter, einer dementen Mutter und einer schlechtgelaunten Schwester zusammen. Ein schwieriges Leben, aber als ihre Tochter auf dem Schulweg angefahren wird, gerät das fragile Gleichgewicht komplett aus den Fugen. Ärzte müssen extra bezahlt werden, um das Kind zu behandeln, die Unfallfahrerin ist die Tochter der Bürgermeisterkandidatin, und ein finanzielles Angebot, den Fall nicht vor Gericht zu bringen, wird ihr nahegelegt.
Die Handkamera, ohne zusätzliches Licht, unterstreicht die Nervosität, die über allem liegt. Sie folgt, oder verfolgt die Figuren, bleibt oft hinter ihnen, um dann grazil um sie herumzutanzen. Extreme Unschärfen in der Tiefe unterstreichen zusätzlich die Konflikte, die sich zunehmend um die junge Ärztin bilden. Die Kamera bildet das hektische Tempo bei Einsätzen genauso ab, wie die zunehmende Verzweiflung. Einfach toll gemacht.

 

Gewitter

 

(c) ch.dériaz

Am Ausgang dann, Regen, Gewitter, schwarzer Himmel.
Die Sommerkleidung, die bis eben noch fast zu viel war, ist jetzt deutlich zu wenig. Gegen 21 Uhr ist der Himmel zwar immer noch schwarz, aber es tröpfelt nur noch. Die Piazza füllt sich, Mitarbeiter wischen die Stühle trocken. Der offizielle Teil findet allerdings im Fevi statt, mit Verspätung, was gar nicht gut ankommt. Ebensowenig, dass sich dort alle extra viel Zeit lassen, immerhin tröpfelt es draussen hin und wieder, Blitze zucken über den Himmel und einzelne Windböen drohen.

Truckerin

 

Endlich ist es doch so weit, Paradise Highway von Anna Gutto fängt an.
Der Film meint es gut, bleibt aber letztlich zu amerikanisch in seiner Dramaturgie und Figurenzeichnung, um wirklich zu begeistern. Juliette Binoche, ungeschminkt als Truckerin, mit Herz auf dem rechten Fleck und einer belastenden Vergangenheit, ein fieser Mädchenhändlerring, Morgan Freeman als eigentlich pensionierter FBI Mann, der dem Neuling zeigt, wie man Recht beugt, aber dabei moralisch siegt, und das kleine, starke Mädchen, das aus den Klauen der Menschenhändler gerettet wird. Dazu weite amerikanische Highways, coole Trucks, und neben Binoche weitere Truckerinnen, die natürlich zur Stelle sind, wenn es darauf ankommt.
Nicht schlecht, aber auch nicht so super. Egal, mit der Kulisse, den Regentropfen und den Blitzen macht es dann doch einen ganz schönen Samstagabend.

 

 

Leinwand von hinten (c) ch.dériaz

 

Kinohunger

 

Die Vorstellungen sind allesamt gut besucht, voll bis ausverkauft. Selbst gestern Abend, bei bedenklichem Wetter, waren 5.300 Menschen auf der Piazza und 3.000 zusätzlich im Fevi.
Es mag ein bisschen an der Festivalsituation liegen, dass wirklich alle Arten von Filmen zu allen Uhrzeiten so gut besucht sind. Aber Verantwortliche, also Kinobetreiber, Verleiher, sollten diesen Schwung mitnehmen. Zuschauer, die bei Festivals interessante Filme sehen, gehen nach Hause, erzählen davon, machen sozusagen gratis Werbung, nur um dann festzustellen, dass viele dieser tollen Filme  nirgendwo zu sehen sind.
Das ist sehr schade. Es besteht ein Markt dafür, man muss ihn nutzen.

 

Schülerproteste

 

Der thailändische Film Arnon pen nakrian tuayang (Arnold, der Musterschüler) von Sorayos Prapapan ist ein höchst politischer Film. Korruption, Proteste, die hart niedergeschlagen werden, und traditionelle Regeln treffen im Mikrokosmos einer Schule aufeinander. Während der Schulleiter extra stolz ist, dass Arnold bei einer akademischen Olympiade eine Medaille gewonnen hat, führt die Lehrerin für Bürgerrechte ein restriktives Regime, in dem sie auch gerne zum Rohrstock greift. Persönliche Freiheit, Entscheidungen, die zu treffen sind, und immer wieder Korruption und übersteigerte Tradition führen auf der Strasse und in der Schule zu harschen Protesten. Inhaltlich eine spannende, politische Geschichte, filmisch etwas langatmig und hölzern.

 

Die Macht der Geschichten

 

Anlässlich der 20-jährigen Mitgliedschaft der Schweiz in den Vereinten Nationen, war UN Botschafter Maher Nasser bereits gestern auf der Piazza Grande. Dort betonte er schon, wie wichtig es ist, Themen wie Menschenhandel ins öffentliche Bewusstsein zu bringen. Bei einem Publikumsgespräch heute unterstreicht Nasser das Gewicht, das Filme, als heutige Geschichtenerzähler, haben, wenn es darum geht, komplexe Themen an die Öffentlichkeit zu bringen. Geschichten können da ins Bewusstsein gelangen, Aufmerksamkeit schaffen und Veränderungen anstossen, wo Daten, Zahlen und Fakten nur eine Art Hintergrundrauschen erzeugen.

 

UN Botschafter Nasser und Giona A. Nazzaro

 

 

Ausdrucksformenvielfalt

 

Das Kurzfilmprogramm der vielen Formen und Formate an diesem Sonntag.
Aus einer Übung mit 16 mm-Kamera entsteht Serafina von Noa Epars und Anna Simonetti. Dazu eine Westernbildästiethik und eine zügige Montage, ergibt einen interessanter Versuch, der aber nicht komplett gelungen ist.

Quadratisches 1:1 Format gibt es in At little wheelie three days ago von Andrew Stephen Lee. Interessanter als das Bildformat sind die menschlichen Interaktionen. Ein Vater, der einen Internetclip für bare Münze nimmt, und loszieht, seine, sich vermeintlich in Gefahr befindliche, Tochter zu retten. Am Ende drischt ein wütender Mob auf das Auto des vermuteten Aggressors ein. Das Format bringt der Geschichte allerdings keinen wirklichen Mehrwert, ist aber als Fingerübung ganz nett. Richtig toll ist: Fairplay von Zoel Aeschbacher. Auch hier geht es um menschliches (Fehl)Verhalten. Drei verschiedene Szenarien mit völlig schwachsinnigen Wettbewerben werden parallel montiert. Die Situationen beschleunigen, und laufen immer mehr aus dem Ruder, bis jede der drei in einem grausigen Höhepunkt enden. Idee, Kamera und Schnitt in perfekter Einheit.

Luna que se quiebra sobre la tiniebla de mi soledad von Lucia Mariani ist ein No-Budget Projekt, was an sich erstmal nichts Schlechtes ist. Leider fällt es schwer, der Geschichte zu folgen, die auch mit diversen visuellen Spielereien aufwartet, deren Zweck innerhalb des Films sich nicht erschliessen.

Big bang von Carlos Segundo ist eine böse Geschichte. Der Kleinwüchsige Chico, der in Öfen steigt, um sie zu reparieren (oder um sie zu zerstören?), entkommt, im Kofferraum eines Autos reisend, als einziger lebend einer Massenkarambolage. Im Krankenhaus trifft er auf eine schwarze Hausangestellte, die ihren Job verlieren wird, weil sie bei ihrem Kind in der Klinik bleiben will. Zwei Ausgegrenzte der Gesellschaft und ein Big Bang. Kurz und böse.

 

Vorführkabine
(c) ch.dériaz

 

Geschmackssachen

 

Zur Einführung von Bianca Lucas’ Love Dog erzählt der künstlerische Leiter Nazzaro, wie einhellig sie diesen Film in der Auswahl toll und bewegend fanden.
Das klingt vielversprechend.
Der Film allerdings erweist sich als sehr sperrig.
Ein junger Mann fährt scheinbar ziellos durch die Gegend, irgendetwas bedrückt ihn. Aber was? In sehr dunklen Bilder, bei denen auch nicht immer klar ist, wo die Schärfe liegen soll, erfährt man ganz langsam, dass sich seine Freundin umgebracht hat. Er trauert, er leidet, manchmal trifft er Freunde, oder redet mit Fremden in Internetforen. Kurze Einstellungen zeigen die Freundin. Aber so wirklich schafft man nicht einzusteigen in die Geschichte. Gar nicht so wenige Zuschauer verlassen vorzeitig den Saal. Beim Publikumsgespräch im Anschluss klärt sich wenigstens, warum der Film oft so rau und unfertig wirkt. Gedreht wurde während des Lockdowns, mit einem Minimalteam bestehend aus Regie, Kamera und dem (Laien)Darsteller. Auch ein Drehbuch im eigentlichen Sinn gab es nie, nur die Idee, dass die Figur mit ihrer Trauer umzugehen hat. Nun gut, dafür ist es nicht schlecht geworden, aber, dass das die Auswählenden des Festivals so umgehauen haben soll, ist schwer zu verstehen.

 

Mehr Gewitterwolken
(c) ch.dériaz

Und schon wieder ist der Himmel tief dunkel schwarz beim Rauskommen aus diesem dunklen Film.
Das sieht sehr schlecht aus für die Piazza heute Abend; bei allem Optimismus.

#Locarno75 _ Schmelzender Asphalt

 

(c) ch.dériaz

Sommerhitze am Lago Maggiore

 

Wer bei diesem Wetter lieber am See liegen mag, kann trotzdem  ein Festivalzeichen setzen, mit leopardengemusterte Flipflops oder Badehandtüchern, die es, neben weiterem Marketing-Schnickschnack, zu kaufen gibt.

Für alle anderen gilt, von Kino zu Schatten und von Schatten zu Kino zu gelangen, ohne sich dabei komplett aufzulösen. Die nicht kommerziellen Schattenplätze sind allerdings dünn gesät, auch wenn dieses Jahr wieder der Spazio Cinema zwischen Fevi Kino und La Sala in Betrieb ist.

 

Publikumspreis

 

(c) ch.dériaz

 

Kleiner Nachtrag zum Eröffnungsabend, die Piazza war mit 8000 Besuchern ausverkauft, nochmal etwa 2000 hatten gleichzeitig im Fevi Platz, wo die Filme der Piazza jeden Abend parallel gezeigt werden.

 

 

 

 

An sich sollte die Abstimmung für den Prix du Public via Festival App funktionieren. Klingt leicht genug. Code des Tickets einscannen, Namen eintippen, wenn man möchte, und schon kann man Sterne vergeben. Bloss, mit einem Festivalpass (egal welchem) funktioniert das nicht. Da man als Passbesitzer für die Piazza kein Ticket zu reservieren braucht, fehlt der Beweis, dass man wirklich am Abend den Film geschaut hat.
Also: keine Chance abzustimmen.

QR-Code in Blumensamen

Zwei Festivalmitarbeiter und drei Anrufe später ist klar wie man doch mitmachen kann. Nahezu altmodisch mutet der notwendige Trick an: nach dem Einlass auf die Piazza verteilen Mitarbeiter Kärtchen mit einem individuellen Code, der dann wiederum in der App eingescannt werden kann, der Abstimmung steht dann nichts mehr im Wege. Vermutlich wird es ein bisschen dauern, bis sich das herumgesprochen hat, es sei denn, es wird irgendwie in der App noch als Weg eingetragen. Die Karten sind übrigens abbaubar und mit Blumensamen „getränkt“.

 

 

Lateinamerikanisches Kino

 

Die Sektion Open Doors widmet sich immer dem Filmschaffen ganzer Regionen, ab diesem Jahr und noch bis 2024 ist das Lateinamerika und die Karibik.
Der erste Tag startet mit einem Film aus der Dominikanischen Republik.
Una película sobre parejas von Natalia Cabral und Oriol Estrada.
Ein Film über das Filmen eines Dokumentarfilms. Das Regiepaar Cabral/Estrada spielt ein Regiepaar auf der Suche nach einem Thema für seinen nächsten Dokumentarfilm. Geldgeber wurden überzeugt, auch wenn man nicht genau weiss auf Basis welcher Idee. Und so entspinnt sich ein gleichermassen witziges und wahres Portrait über die Mühen, als Paar einen Film zu machen und gleichzeitig als Paar zu bestehen. Witzig, sensibel und sehr gut gemacht.

 

Metaphern und Mehr

 

Das erste Kurzfilmprogramm zeigt sich vielschichtig und mit reichlich Freude am Experimentieren.
In Tiger stabs Tiger von SHEN Jie geht es subtil um Gewalt. Der Animationsfilm nutzt dafür nur Schwarz-, Weiss- und Grautöne und hin und wieder ein schockierendes Rot, ganz zart, subtil und grausam. Die Figuren in einer Art, mit einem Strich, der an Schiele erinnert, bloss statt ausgemergelt eher rundlich. Verstörend und schön.

Unsere Erde brennt, nicht nur metaphorisch, sondern ganz real. In Il faut regarder le feu ou brûler dedans von Caroline Poggi und Jonathan Vinel, mischen sich reale Nachrichtenbilder von Feuern in Korsika mit der fiktiven Geschichte einer Brandstifterin. Feuerlegen als vermeintliche Rettung einer zubetonierten Welt, in der es nicht mehr lebenswert zu sein scheint.

Auch Der Molchkongress von Matthias Sahli und Immanuel Esser spielt mit Metaphern. Molche, eingesetzt, um zu dienen, zu buddeln und zu gestalten, nehmen überhand und scheinen damit die Welt immer mehr zu beherrschen. Der Mensch steht machtlos vor den Kreaturen, die er schuf und rief. Sehr schön sind die grossen Molchpuppen, und die Puppenspielarbeit mit ihnen inmitten realer Darsteller.

Asyl, Scheinehe oder doch eine echte (lesbische) Liebe? Madar tamame rooz doa mikhanad von Hoda Taheri mischt die Möglichkeiten und lässt den Zuschauer über die „wahren Absichten“ im Dunkeln. Ein bisschen zu lang, und mit teilweise zu lautem, klirrenden Ton, was in Dialogpassagen wirklich unschön ist.

 

 

(c) ch.dériaz

 

Im Kreis drehen

 

Der indonesisch-malayische Film Stone Turtle von Ming Jin Woo begeistert und nimmt mit.
Am Anfang die Ermordung einer Frau, begründet mit verlorener Ehre, die nur durch Blut wiederhergestellt werden kann. In der Folge reiht der Film Gewalt und lang gepflegte Rache in sich wiederholenden Kreisen aneinander. In jeder Wiederholung erfährt man mehr vom Hintergrund der Geschichte, in jeder Wiederholung spielt sich die Gewalt etwas anders ab, um am Ende doch wieder dasselbe Ergebnis zu haben. Jeder neue Versuch macht es klarer, nichts wird besser durch Rache und Gewalt, aber niemand kann aus seiner Haut. Die Geister sind, einmal losgelassen, unbarmherzig. Eine Parabel auf die Sinnlosigkeit dieses Teufelskreises, und innerhalb der Parabel noch eine Parabel, die gezeichnete Geschichte der Steinschildkröte, und ihrer sinnlos gewordenen Aufgabe.

 

Bühne frei für Udo Kier

 

Zum 75. Geburtstag gehört die Bühne der Piazza am Abend zunächst einer grossen Anzahl ehemaliger künstlerischer und operativer Leiter, jeder und jede mit einer kurzen Erinnerung an die Zeit in Locarno. Matt Dillon bekommt einen Leoparden für sein Lebenswerk, auch wenn er betont dafür doch deutlich zu jung zu sein, und potentielle Regisseure unter den Zuschauern anbietet ihn zu besetzten.

My neighbor Adolf von Leon Prudovsky bringt dann nicht nur den Regisseur auf die Bühne, sondern auch die drei Hauptdarsteller. Udo Kier wäre nicht, wer er ist, würde er diese Chance nicht nutzen.
Die Folge: ein Spektakel, das nur noch schwer zu stoppen ist, eine, im besten Sinne, Rampensau bei der Arbeit – herrlich.

My neighbor Adolf spielt mit der Idee, dass ein Holocaustüberlebender in seinem südamerikanischen Exil plötzlich einen deutschen Nachbarn bekommt, den er für Hitler hält. Verschreckt, aber auch entschlossen, sucht er nach Belegen. Er setzt sich mit der israelischen Botschaft in Verbindung, wo man versucht, ihn als Spinner abzuwimmeln. Der Film wird getragen vom Spiel der beiden Hauptdarsteller, Udo Kier und David Hayman, die zwei skurrile alte Männer mit extrem viel Charme, Stolz und Würde spielen. Die Wendung, die der Film dann nimmt, sieht man tatsächlich nicht kommen; eine rührende Satire, oder eine traurige Komödie, die viel Applaus bekam.

 

 

Erst heiß, dann nass

 

 

(c) ch.dériaz

 

Während sämtliche Wettervorhersagen behaupten, es gäbe heute Regen, scheint unbeirrt weiter die Sonne.

Aus Gesprächen ist herauszuhören, dass die Blumenkärtchen zum Abstimmen für Festivalpass-Besitzer nur schleppend funktionieren; zu wenig Kärtchen, zu wenig klar, wie man abstimmen kann. Nicht abstimmen können, das kommt in der Schweiz nicht gut an.
Verbesserungsbedarf besteht auch eindeutig bei der Abdeckung mit WLAN, es gibt zwar seit letztem Jahr ein Festivalnetz, aber das besteht nicht überall in der Stadt (und die ist klein). Und so steht man oft ohne Internet da, während fast alles über Handy Apps laufen soll. Prinzipiell ist die Festival App auch off-line arbeitsfähig, ausser sie hat einen mal wieder abgemeldet, denn ohne Netz ist keine neue Anmeldung möglich.

 

Inneres nach Aussen

 

Petrol von Alena Lodkina ist ein seltsamer Film. Angefangen beim Titel, dessen bedeutung sich innerhalb des Films nicht erschliesst. Der Erklärung der Regisseurin nach, ist es eine Art Metaebene, eine Anspielung auf urbanes Leben, auf das was unter dem Asphalt liegt in unseren Städten. Es bleibt auch mit dieser Erklärung wirr.
Ähnlich geht es einem mit der Geschichte. Zwei junge Frauen, die eine Regiestudentin, die andere Künstlerin, treffen aufeinander, beide scheinen angetrieben von irgendwelchen Geheimnissen, Sehnsüchten oder Geistern. Wind bläst, wirft Dinge um, erschrickt. Inneres wird scheinbar nach aussen gekehrt, aber was dieses Innere ist, warum es raus will, bleibt das Geheimnis der Regisseurin. Was schade ist, denn eigentlich möchte man den Figuren folgen, sich ihrer Sinnsuche/Selbstfindung hingeben, mitleiden, mitfiebern, mitlernen. Aber man bleibt draussen und man bleibt verwirrt. Und das ist in diesem Fall kein positiver Zustand am Ende eines Films.

 

 

 

(c) ch.dériaz

 

Publikumsgespräch

 

Im Vorbeigehen ein kurzer Blick zum Publikumsgespräch mit Udo Kier, schon von Weitem ist klar: der Mann geniesst auch heute das Rampenlicht. Die vielen Zuschauer hängen gebannt an seinen Lippen. Da ich nur vorbeischaue, um gleich weiterzugehen, stehe ich hinten, und werde kurz zum Fokus von Kier, ein fröhliches „hallo dahinten“ gilt eindeutig mir. Wir haben uns für ein paar Sekunden das Rampenlicht geteilt.

 

Off-Stimmen

 

Laut Moderatorin, ist das Gemeinsame der heutigen Kurzfilme, dass sie alle von Wahrheit erzählen.Tatsächlich ist ihnen hauptsächlich der Einsatz einer Off-Stimme gemeinsam.

Songy Seans von Darezhan Omirbaev treibt das System dabei auf die Spitze. Ein Schüler, mal Zuhause, mal in der Schule, viel in Bussen und U-Bahnen unterwegs, und immer Stimmen aus dem Off. Anfangs wirkt das noch interessant, erinnert an die Engel in der U-Bahn in „Himmel über Berlin“. Aber mit der Zeit scheinen die Texte wichtiger zu werden, als das Bild, und der Film wird zäh anzuschauen und führt nirgendwo hin. In I’m the only one I wanna see von Lucia Martinez Garcia ist nicht ganz klar, was die Stimmen, die über einer erotisch tanzenden Frau liegen, darstellen sollen. Im Verlauf des Films scheinen sie, im Wesentlichen, böse, hasserfüllte und sexistische Internet Kommentare zu sein. Castells von Blanca Camell Galí fängt an mit einer Frau, die durch Barcelona geht, im Ohr die Stimme ihres französischen Liebhabers, den sie verlassen zu haben scheint. Eine Frau, die weggeht, um am Ende zurückkommen zu können, dazwischen viel katalanisches Lokalkolorit und einige flüchtige Liebschaften.
Misaligned von Marta Magnuska ist der einzige Animationsfilm in diesem Program. Wunderschöne Kohlezeichnungen, leicht verschwommen, schwebend, erzählen sie vom Nebeneinander eines Paars. Eine Lebensführung, die immer rasanter wird und in der die Figuren nicht zusammenkommen. Sehr schön.
Mulika von Masha Maene kombiniert wieder eine Off-Erzählstimme mit extrem spannenden, verrückten Bildern. Ein auf der Erde gestrandeter Astronaut, glitzernd und leuchtend geht er durch ein afrikanisches Dorf, Tradition und Science-Fiktion treffen aufeinander, zeigen Verbindendes. Die Zukunft der Vergangenheit, oder die Vergangenheit der Zukunft, Rettung ist eine Möglichkeit.

 

Dunkle Wolken
(c) ch.dériaz

Raus aus dem Kino, der Himmel ist schwarz, Wind ist aufgekommen und bringt die Leute zum kollektiven Aufatmen. Zu dick war die Luft bis jetzt. Ab in den nächsten Kinosaal, das mögliche Gewitter bleibt draussen.

 

 

Schwärzer als schwarz

 

Die Regisseurin Patricia Mazuy beschreibt vor der Vorführung ihren Film Bowling Saturne als die Auslotung des Schwarzen. Dem kann man am Ende uneingeschränkt zustimmen. Wenige Psychothriller sind so konsequent düster und offensichtlich brutal. Zwei Halbbrüder, die über lange Phasen der Geschichte echte Antagonisten sind, der eine Polizist, der andere Psychopath mit mörderischen Neigungen. Ein Film, in dem fast immer Nacht zu sein scheint, die wenigen Szenen bei Tag haben dafür innere Düsternis, und am Ende gibt es viele hässlich zugerichtete Leichen und viel Raum für alle Schattierungen von Schwarz.

 Der Regen hat diese Vorführung genutzt, um etwas Abkühlung zu bringen, und sich dann wieder verzogen, einem trockenen Abend auf der Piazza steht nichts im Weg.

Grosse Gefühle

 

Die Literaturverfilmung Where the Crawdads Sing von Olivia Newman beeindruckt in erster Linie durch die tollen Bilder einer traumhaft schönen Landschaft, und durch das Spiel der jungen Hauptdarstellerin, Daisy Edgar-Jones. Die Geschichte bietet ein Panorama an menschlichen Dramen. Prügelnder Familienvater, verlassenes kleines Mädchen, Vorurteile, Liebe, Verrat und ein möglicher Mord. Parallel montiert in Rückblenden und während der Gerichtsverhandlung hält der Film seine Spannung, liefert ganz grosse Gefühle und am Ende eine kleine gemeine Wendung, als Fussnote sozusagen. In den letzten Minuten fing es dann passenderweise an, leise zu regnen, aber nichts, was die Zuschauer hätte vertreiben können.

 

(c) ch.dériaz

 

 

 

#Locarno75 Die Eröffnung

 

Locarno75_PardoKuh zur Stelle
(c) ch.dériaz

 

 

Wenn die Zukunft des Kinos 75 wird

 

Von Anfang an hat sich das Locarno Film Festival das Neue, das Andersartige, das Anspruchsvolle auf die Fahnen geschrieben. Von Anfang an war die Idee, grosses Kino zu zeigen, ohne die künstlerischen und intellektuellen Werte dabei zu verlieren.

Seit 75 Jahren gelingt das jeden Sommer aufs neue; ein A-Festival, das immer ein wenig anders ist als die anderen, und sich trotzdem nicht nur an Fachpublikum richtet. So treffen zukünftige Geheimtipps auf mögliche Blockbuster, Filme aller Genres, aus allen Ländern, messen sich in den diversen Kategorien und hoffen auf die begehrten Leoparden.
Auf der Piazza Grande müssen Filme vor einer der kritischsten Jurys überhaupt bestehen: dem Publikum; da sind schon grosse Namen preislos abgezogen, während scheinbar Unscheinbares Triumphe feierte.

 

Neustart mit 75

 

Giona A. Nazzaro (c) ch.dériaz

Für den künstlerischen Leiter Giona A. Nazzaro ist diese Jubiläumsausgabe so etwas wie die erste Ausgabe, ein Neustart, ein Wiederaufstehen nach den beiden letzten Jahren, die wegen der Pandemie irgendwie mit halber Kraft liefen.
Ein Neustart, der aber nicht versucht, andere Wege zu gehen, sondern der weiterhin das Kino in seiner Vielfalt zelebrieren will, und dabei darauf achtet, Neues zu integrieren. Neue Techniken, neue Sichtweisen, aber auch neues, und auch jüngeres Publikum, für Film und Film im Kino zu gewinnen.

Festivalpräsident Marco Solari unterstreicht diesen Geist des Aufbruchs, der immer auch ein Dialog mit dem Vergangen sein muss.
Wo kann das besser gelingen als im sommerlich-sonnigen Locarno, mit mehr Sponsoren im Rücken, mehr staatlicher (Film)Förderung und dem Zusammentreffen von Künstlern, Zuschauern und Urlaubern auf kleinstem Raum.

 

 

 

Warten (c) ch.dériaz

 

 

Action auf der Piazza

 

Vor dem Eröffnungsfilm ein erster Kurzfilm, aus einer Reihe mit dem hübschen Namen: „Postkarten aus der Zukunft“.
Der Kurzfilm von Natalka Vorozhbyt zeigt, wie das Trauma des Krieges, auch im Exil, weiter Macht über die Menschen hat. Wenn einfache, alltägliche Geräusche zu Angst und Panik führen, und der Abbruch eines Hauses Sirenengeheul und Bombenlärm zurückbringt. Der Film bewegt und macht nachdenklich.

Angesichts der aktuellen politischen Lage mag ein Film wie Bullet Train von David Leitch, der Gewalt geradezu zelebriert, zynisch wirken.
Davon abgesehen ist das blutrünstige Rachespektakel absolut unterhaltsam.
Sofern man sich an den Blutfontänen, der lauten Musik und der wilden Erzählstruktur nicht stört. Triaden, Auftragskiller, offene Rechnungen, Familienkonflikte und ein Auftragskiller mit Selbstzweifeln, dazu ein japanischer Hochgeschwindigkeitszug, eine Konstellation, die immer wieder schrägen Wendungen bringt. Laut, blutig, ein bisschen albern und sehr unterhaltsam.
Ob es wegen des Filmkrachs nur nicht zu hören war, aber es scheint, dass keine Stühle während dieser ersten Vorstellung zerbrochen sind.

 

 

Maskenfreiheit

 

(c) ch.dériaz

 

Die Pandemie ist für das Festival beendet, oder zumindest wirkt es so.
Keine Masken, keine festen Sitzplätze, Kinos voll. Immerhin ist die Reservierung von Plätzen geblieben, so könnte sich das Gedrängel an den Eingängen eventuell in Grenzen halten. Die nächsten 10 Tage werden es zeigen.

#Locarno 75 Vorschau

 

(c) LocarnoFilmfestival

 

 

 

Locarno zum 75. Mal

 

 

Das Programm ist schon seit einer Weile online, aber erst seit Anfang dieser Woche stehen auch die Termine genau fest. Die Locarno App ist jetzt auch freigeschaltet, der Vorarbeit und der Vorfreude steht also nichts mehr im Weg.
Ein schneller Blick ins Programm verspricht Spannendes, Schräges und Politisches, und auch Filme, die sensible Zuschauer schockieren werden können.
Unter Letzterem waren in den vergangenen Jahren eher Filme von schockierend mickeriger Machart zu verstehen, aber man darf ja hoffen und träumen im Kino.

 

Menschliches Interagieren

 

Familien, die auseinander fallen; Welten, die man für sicher hielt, zerbrechen; Lieben gehen verloren und Seltsames ereignet sich.
Nur ein paar Themen – mal bunt, mal schwarz-weiss  — aus dem Wettbewrb Cineasti del presente:

Yak Tam Katia? (How Is Katia?) von Christina Tynkevych

A Perfect Day for Caribou von Jeff Rutherford

Nossa Senhora da Loja do Chinês (Our Lady of the Chinese Shop) von Ery Claver

 

Gewalt, Umwelt und Satanisches

 

Im internationaler Wettbewerb läuft Nikolaus Geyrhalters neuer Dokumentarfilm Matter out of Place.
Ein Film vom Müllentsorgen in entlegenen Gegenden. Wer Geyerhalter kennt, weiss dass das spannend wird.

Wieder Gewalt (mit Warnhinweis) und Familie, die nicht halten wird, was man sich von ihr verspricht in:  Bowling Saturne von Patricia Mazuy

Und satanisch soll es in Skazka (Fairytale) von Alexander Sokurov zugehen.

 

Gross und laut

 

Der Eröffnungsfilm auf der Piazza Grande, dem Ort für eher konventionelleres Kino, verspricht mit Bullettrain von David Leitch schnell, laut und spannend zu werden.

 

Mehr und vor allem mehr im Detail gibt es ab 3. August.

 

(c) ch.dériaz

# FreizeitTipp Frauenfussball EM

 

(c) ch.dériaz

 

 

Fussball schauen

 

 

Wer sich so gar nicht für Fussball interessiert, kann jetzt sofort aufhören zu lesen.
Auch Menschen, für die Frauen im Sport nur dann zählen, wenn sie wahlweise halb nackt, tänzelnd oder beides gleichzeitig sind, können genau hier aufhören zu lesen.
Für alle anderen:
Am 6. Juli startet in England die Fußballeuropameisterschaft der Frauen.
Das ist jetzt vielleicht prinzipiell kein so echtes Filmthema.
Andererseits, Fussball ist vor allem aufgrund seiner medialen Präsenz so gross geworden. Die grossen Summen, die im Männerfussball fliessen, ergeben sich aus Übertragungsrechten gepaart mit Werbeminuten – grob gesagt.
Fussball ist also doch auch ein Filmthema, oder ein Zuschauerthema.

 

Wer schaut, bestimmt

 

Filme, Sendungen, Übertragungen, die keiner sieht, sind kommerziell nichts wert, entsprechend wenig werden sie gezeigt, entsprechend wenig können sie gesehen werden.
Es gilt also, diesen Kreislauf zu durchbrechen.
Und tatsächlich, der ORF, zum Beispiel, überträgt alle Spiele der Frauenfussball EM live, das ist eine Premiere.
Auch öffentliches und gemeinsames Schauen im Freien ist möglich und im Angebot.
Das sommerliche Wetter drängt förmlich dazu, mit anderen Fans, einem kühlen Getränk in der Hand die (Fussball)Welt – ein bisschen – zu verbessern.

Es kann also nicht verkehrt sein, ein wenig Werbung zu machen, damit die mediale Präsenz nicht ein einmaliger „Ausrutscher“ bleibt, damit fussballspielende Frauen sichtbarer werden.
Zuschauer sind Konsumenten und sind damit wertvoll und mächtig.
Diese Chance sollte man nicht ungenutzt lassen.

 

Profis

Wer immer noch glaubt, dass Frauen keinen professionellen Fussball spielen können, kann bei der Gelegenheit schauen, staunen und lernen. Oder sich einfach dazustellen, weil es gerade im Trend liegt, auch das ist recht.
Am Ende gewinnen alle.

EM-Spiele in ORF1

 

#FilmTipp Everything Everywhere All at Once

 

(c) ch.dériaz

 

 

Wieviele Welten

 

Hinter jeder getroffenen Entscheidung verbirgt sich – mindestens – eine Entscheidung, die man verworfen hat.
Was also, wenn alle diese ungenutzten Möglichkeiten eine eigene, parallele Welt generierten, in denen die verworfenen, nicht getroffenen Entscheidungen,
getroffen wurden? Everything Everywhere All at Once von Daniel Scheinert und Daniel Kwan spielt die multiplen Möglichkeiten durch.

 

Frechheit siegt

 

Ausgangspunkt ist eine chinesischstämmige Familie in den USA. Das Ehepaar betreibt einen Waschsalon, der mehr schlecht als recht läuft, der alte Vater muss mitbetreut werden und die Teenager-Tochter ist lesbisch. So weit bieten sich vielfältige Variablen, aus denen Stoff für Stress und Komik geholt werden können.
Auf dem Weg zum Finanzamt mischt sich dann aber die erste neue Spur in die Geschichte: ein Paralleluniversum, das dringend Hilfe braucht.
Ab da wird der Film mit jeder Wendung wilder, mischt asiatische Kampfkunst mit Science Fiction, Komik mit Spannung, persönliche Befindlichkeiten mit philosophischen Fragen.
Das funktioniert mittels rasanter Schnittfolgen, in denen in der Bewegung von Welt zu Welt gesprungen wird. Visuelle Spielereien, kurze Animationssequenzen inklusive, treiben das Spektakel auf die Spitze.
Ehefrau und Tochter werden zu zentralen Figuren des Verwirrspiels, die die Geschichte vorwärtspeitschen, aber gleichzeitig agieren und reagieren müssen.
Die Frage, „wer bin ich wo?“, hat viele Antworten. Oder auch nur eine.

 

Loslassen

 

(c) ch.dériaz

Genau wie die Figuren muss man als Zuschauer loslassen. Versuche, sich dauernd zu orientieren, aufgeben, geschehen lassen, treiben lassen und das Spektakel geniessen.
Eine gewisse Freude an choreographierten Kampfszenen kann dabei natürlich nicht schaden, und das bisschen moralisches Pathos geht dann auch in Ordnung.
Die Mischung all dieser verschiedenen Genres hätte eine unverdauliche Suppe ergeben können, statt dessen ist ein extrem cooler, witziger Film daraus geworden.

 

Originalversion

 

Mehr als sonst gilt die Empfehlung, diesen Film in seiner Originalversion zu sehen, denn auch der Wechsel von einer Sprache zur anderen spielt eine dramaturgische Rolle und wird als Ausgangspunkt für Spässe mit den handelnden Figuren genutzt.

Im Original läuft der Film in Wien in folgenden Kinos:
Votiv, Filmcasino, Gartenbau, Artis

 

(c) ch.dériaz

#Visions du Réel – Die Preise

 

 

(c) ch.dériaz

 

Die Jurys haben entschieden

 

Mit den Juryentscheidungen und den Preisvergaben ist die 51. Ausgabe von
Visions du Réel zu Ende gegangen.
Zum Glück lassen sich die Filme online noch nachholen.
Hier also drei Preisträgerfilme in der Einzelkritik.

 

 

Auf der Suche nach dem verlorenen Hund

 

Der Preis in der Kategorie Kurz- und Mittellange Filme geht an:
Without (Bez) von Luka Papić.
Ausgehend vom Verschwinden eines kleinen Hundes, wird hier von Gott und der Welt fabuliert. Ein Maler sucht seinen anscheinend verlorenen Hund. Statische Bilder, die gleichzeitig ikonisch und schmutzig aussehen, bilden den Hintergrund für die oft im Off vorgebrachten Ideen zu Hunden, Religion, Vorurteilen und der Welt an sich. Eine schräge Geschichte, an deren Ende zwei Strassenhunde Cervantes „Gespräch zweier Hunde“ (auf)führen und damit den intelligentesten Dialog des Films führen.
Ach ja, der verschwundene Hund des Malers meldet sich telephonisch: alles in Ordnung, es gehe ihm gut.

 

 

Without(Bez) (c)Luka Papić

 

 

 

Auf der Suche nach Eisbären

 

Der Preis der Jugendjury geht an:
Churchill, Polar Bear Town von Annabelle Amoros.
Im Norden Kanadas sind Eisbären, die in Städte kommen, ein Problem, aber auch eine Touristenattraktion. Der Film zeigt, wie Patrouillen in Autos und Hubschraubern nach Eisbären suchen, um sie anschliessend mit Lärm zu vertreiben und zu vergrämen. Weite Landschaften im Breitbildformat menschen- und bärenleer, aber mit viel Schnee und Eis, und dann tauchen tatsächlich auch vereinzelt Eisbären auf. Eine spielerisch-verspielte Reportage über das Zusammenleben von Mensch und Tier, die sich auch nicht ganz ernst nimmt.

 

 

Churchill, Polar Bear Town (c)Annabelle Amoros

 

 

 

Mysterien am Fluss

 

Der Hauptpreis des internationalen Wettbewerbs geht an ein Hybrid zwischen Spiel- und Dokumentarfilm: L’îlot von Tizian Büchi.
Ein ruhiges Wohnviertel ausserhalb von Lausanne, kleine Mehrfamilienhäuser, Kinder spielen auf der Strasse, ein Flüsschen mit verwildertem Uferbereich, alles scheint ganz entspannt. Trotzdem gehen zwei Wachmänner Tag und Nacht durchs Viertel, sperren den Uferbereich mit Flatterband ab, schauen, dass alles ruhig bleibt. Aber zu keinem Zeitpunkt wird enthüllt, warum sie da sind. Immer wieder scheint eine Begründung gleicht kommen zu können, aber nein, der nächste Satz handelt von ganz etwas anderem, und das Mysterium bleibt erhalten. Langsam und in sehr schönen Bildern wird das Viertel erzählt, die Menschen, die dort leben, die Wachleute, man erfährt vieles, während die Spannung in der Luft hängt. Alles bleibt in einem ruhigen Fluss und führt letztlich nur im Kreis, wie die Runden der Wachen. Und am Ende ist man wieder an derselben Stelle wie zu Beginn: am Flussufer, wo vielleicht irgendwann etwas passiert ist, oder eben auch nicht.

 

 

L’îlot (c) Tizian Büchi

 

Das war’s

Es ist interessant, dass doch einige der Preisträgerfilme sich nicht streng in die Kategorie Dokumentarfilm einordnen lassen. Mal ist die „Inszenierung“ klar, mal ist sie subtil, manchmal sieht man sie – vermutlich aus Unkenntnis – gar nicht.
Es gab auf jeden Fall viele künstlerisch spannende, inhaltlich sehr unterschiedliche Filme zu sehen.
Der Dokumentarfilm gehört definitiv in die Kinos.
Alle Preise gibt es hier.

 

 

Das war’s aus Nyon
(c) ch.dériaz

 

#Visions du Réel – Frauen

 

(c) ch.dériaz

 

Aus der Wundertüte des Programms

 

 

Drei Filme über Frauen, ganz unterschiedlich, sowohl stilistisch als auch in den Protagonistinnen, dennoch, dreimal Frauen, die am Ende als stark aus dem Film hervortreten.

Der Persönlichste

 

Fuku Nashi von Julie Sando. Die Regisseurin und ihre japanische Grossmutter. Zwei Frauen, die sich nur langsam öffnen und annähern. Die Frage der eigenen Identität steht im Raum. Ist sie Japanerin, ist sie Schweizerin? Die Grossmutter beantwortet die Frage für die Enkelin anders, als die Enkelin selbst. Das Selbstverständnis ist ein anderes. Wie gehört man dazu, wenn man in Japan als „Halbe“ und in der Schweiz als „Exotin“ gesehen wird?
Die letztgültige Antwort steht wohl noch aus.

 

Fuku Nashi (c) Julie Sando

 

Der Härteste

 

Chaylla von Clara Teper & Paul Pirritano ist das Protokoll einer Befreiung.
Eine junge Mutter, die versucht, aus einer gewalttätigen Beziehung herauszufinden, aber oft an sich selber scheitert. Ihr selbst fehlt der Glaube, dass sie ein Leben ohne physische und psychische Gewalt haben darf. Sie glaubt nicht, dass es Gerechtigkeit gibt, wenn sie ihren Mann wegen Körperverletzung oder Stalking anzeigt. Und sie glaubt auch nicht daran, dass es Beziehungen gibt, die anders laufen, in denen Respekt herrscht. Und so hadert sie, geht zurück zu ihrem Mann, bekommt ein weiteres Kind, geht weg, klagt an und zweifelt. Am Schluss kommt so etwas wie Hoffnung auf, dass sie jetzt, wo sie nach Jahren auch Prozesse gegen ihn gewonnen hat, endlich frei von Angst und Gewalt wird leben können. Erstaunlich, neben der sehr bewegten Kamera, die immer recht direkt auch die Gefühle zeigt, dass die doch sehr verunsicherte Chaylla diese Nähe über einen langen Zeitraum so zugelassen hat. Das zeugt vom gossen Respekt der Filmemacher ihrer Protagonistin gegenüber.

 

Chaylla (c)Clara Teper & Paul Pirritano

 

 

Der Lustigste

 

In Ardente·x·s von Patrick Muroni geht es um Pornos.
Eine Gruppe junger Frauen in Lausanne, sie haben sich vorgenommen, ethische und dissidente Pornofilme zu machen, und dafür eine Pornofilmproduktion gegründet. Sie arbeiten im Kollektiv, was dann manchmal zu lustigen Problemen führt, wenn zum Beispiel ein Film, trotz guten Drehbuchs, nicht fertig gemacht werden kann, weil zwar mit mehreren Kameras gedreht wurde, aber keine für den Überblick zuständig war. Ergebnis: unschneidbar.
An manchen Stellen ist der Film etwas zu geschwätzig. Die jungen Frauen erzählen sich, in schöner Umgebung oder auch in interessanten Situation, Geschichten aus ihrem Leben, oder reden über ihre Gefühle, man wird aber den Eindruck nicht los, dass das alles nur für die Kamera gedacht ist. Hervorragend sind die Szenen bei den Pornodrehs gestaltet, die Schwierigkeiten, die sich ergeben, weil mehrere Kameras um die Darstellerinnen und Darsteller herumstehen, gehen und filmen, werden als ästhetisches Mittel genutzt und bringen so sehr spannende Bilder vom Set. Eine Jugendfreigabe dürfte der Film nicht bekommen.

 

Ardente·x·s (c)Patrick Muroni

 

 

Die Kurzen

 

Zwei Kurzfilme, die das Medium Film für Abstraktes und Philosophisches nutzen, und dabei eigenständige, schöne Werke entstehen lassen.
The Demands of Ordinary Devotion von Eva Giolo bietet Sinnliches und Rundes. Handwerk und Säuglinge, Milch abpumpen und Nuckeln, eine Bolex laden, aufziehen, drehen. Kreise und Kreisbewegungen in einer Schleife aus Assoziationen. Hübsch.

Sad Machines (Las máquinas tristes) von Paola Michaels erkundet die Seele der Maschine. Diverse laufende Roboter klagen ihr Leid, nicht am richtigen Ort zu sein, nicht dazuzugehören. Aus verschiedenen Firmenvideos zu Bewegungsabläufen der Maschinen zusammenmontiertes philosophisches Werk zur Identitätsfrage. Kurzweilig.

 

Besser im Kino

 

Dass Filme auf einer Leinwand im dunklen Kino besser wirken, ist hinlänglich klar.
Dass aber beim Schauen eines Films sowohl ein Gewitter mit Hagelsturm stören, als auch Handwerker, die Wände aufstemmen, ist dann doch irgendwie unfair.
So verliert H von Carlos Pardo Ros eindeutig an Kraft. Der Film arbeitet mit sehr bewegter Kamera, mit Tonkollagen und mit Stille. Die Idee ist, die Stunden vor einem tödlichen Unfall beim Stierlaufen in Pamplona 1969 experimentell zu rekonstruieren. Und so tanzt und taumelt die Kamera im Heute durch die feiernden Massen in Pamplona, man ist sehr unmittelbar im Geschehen, und versteht auch, wieso die Gruppe von Freunden damals nicht zusammen fand. Zu voll, zu viel, zu viel Bewegung und Feierwut. Aus einem dunklen Kinosaal käme man vermutlich selbst feiertrunken heraus.

 

H (c)Carlos Pardo Ros

#Visions du Réel – Bequem

 

(c) ch.dériaz

 

 

 

Die Qual der (Aus)Wahl

 

 

Weiter geht’s im Programm von Nyon.
Kategorie auswählen, Vorschaubildchen anschauen, anklicken, Kurzbeschreibung lesen, verwerfen oder auswählen.
Einfache Sache.
Soweit war die intuitive Auswahl erfolgreich und erfreulich.

 

 

Gefahren

 

Was macht ein Filmemacher während eines Lockdowns?
Er filmt natürlich.
Daniel Kemény filmt während des langen ersten Lockdowns in Italien sich und seine Freundin. Entstanden ist daraus: Supertempo. Er verwandelt die Monotonie in etwas auch Lustiges, lässt aber Platz für Nachdenkliches. Wie eine Liebe das Eingesperrtsein überlebt, ist dabei ebenso Thema wie Langeweile und leere römische Strassen. Daraus entsteht das präzise Bild einer absurden Situation, die ihre tragischen wie auch komischen Momente hat.

Aus der Erde und zurück unter die Erde: Burial (Kapinynas) von Emilija Škarnulytė. Ein Film über die vielfältigen Nutzungen von, und Problemen mit, Uran.
Verwaiste Uranminen, ein litauisches Atomkraftwerk im Rückbau, ein mögliches Endlager für Atommüll in Frankreich, alles in unglaublich schönen, künstlerischen Bildern. Ein fliessender Schnitt, eine Tonspur, in der Geräusche, Töne, Atmos und Musik ein Gewebe bilden, das die Kraft der Bilder noch mal anhebt. Und dann, immer wieder, eine grosse Schlange, die Über-Metapher der Verführung, des Bösen. Eine Stunde Film, die zum Denken und Träumen verführt.

 

 

 

 

Erwachsenwerden

 

Ramboy von Matthias Joulaud & Lucien Roux ist ein ganz klassischer, ruhiger Dokumentarfilm. Irland im Sommer, grün und grau und Schafe, mittendrin der junge Cian, der über den Sommer auf der Schaffarm seines Grossavater das Handwerk lernen soll. Anfangs folgt nicht mal der Hütehund seinen Kommandos. Bockig, versteht man schnell, sind nicht nur die Schafe, sondern auch der Enkel. In sehr schönen, ruhigen Bildern läuft der Sommer ab, und der Enkel lernt, sehr zur Freude des Grossvaters.
Alles andere als klassisch ist How to Save a Dead Friend von Marusya Syroechkovskaya gestaltet. Mit 16 lernt die depressive Teenagerin Marusya den gleich alten Kimi kennen; zwei Seelenverwandte.
16 Jahre lang filmt sie, filmen sie sich. Es entsteht ein impressionistisches Tagebuch voller Liebe, Depression, Drogen und Selbstzerstörung. Die Beobachtung ist nicht gradlinig in der Zeit montiert, sondern geht vor und zurück, und zeigt damit auch das Auf und Ab der Gefühlswelt der beiden Jugendlichen. Dazwischen immer wieder Szenen von Strassenkonfrontationen russischer Jugendlicher mit der Polizei, und die jährliche Neujahrsansprache des Präsidenten, in immer pathetischeren Worten. Die persönlichen Probleme haben ihre Entsprechung, wenn nicht Teile ihrer Ursache, im System, das die beiden umgibt. Und obwohl ab einem Punkt die Regisseurin sich aus dem Kreislauf der Selbstzerstörung herausnimmt, bleibt sie mit Kimi verbunden, auch wenn sie ihn letztlich nicht retten kann.

 

 

 

 

Bizarre Welten

 

Um Mikronationen geht es in Liberland von Isabella Rinaldi.
Liberland hat Botschaftsräume in Prag und einigen anderen europäischen Städten, gibt online Pässe aus, und hofft bald Fuss auf sein Territorium setzen zu können. Das allerdings ist nicht so einfach. Liberland liegt an der Donau, im Dreiländereck von Kroatien, Serbien und Ungarn. Das Grundstück wird von den kroatischen Behörden verwaltet, die auch den Zugang verbieten, es aber gleichzeitig für serbisches Land erachten.
Kompliziert? Ja.
Parallel versuchen die Liberland-Anhänger in der Gegend sichtbar zu bleiben, und machen per Videos im Netz auf sich aufmerksam. Eine weitere Gruppe ist an diplomatischen Beziehungen zur Mikronation höchst interessiert, nämlich die selbsternannten Mini-Jugoslawen. Sie sehen sich in direkter Nachfolge Jugoslawiens, verehren Tito und veranstalten zu dessen 42. Todestag eine Gedenkveranstaltung.
Seltsame Menschen, bizarre Ideen, ein unterhaltsamer Film.

 

Liberland (c) Isabella Rinaldi

#Visions du Réel – Vom Sofa

 

 

(c) Nicolas-Brodard

 

Vom Sofa aus in die Welt schauen

 

Seit dem 7. April und noch bis Ostern läuft im schweizerischen Nyon das internationale Dokumentarfilmfestival Visions du réel.
Seit mittlerweile 51 Jahren werden hier Dokumentarfilme gezeigt, die in diversen Kategorien um Preise antreten.
In diesem Jahr findet das Festival wieder in real existierenden Kinos, mit echten Zuschauern statt, für Fachbesucher ist aber auch eine Online-Akkreditierung möglich. Höchste Zeit also, einen Blick ins Programm und auf die Filme zu werfen.

 

 

(c) ch.dériaz

 

 

Die Eigenwilligen

 

Foragers von Jumana Manna. Eine schräge Geschichte von Palästinensern im Golan, die Wildpflanzen sammeln gehen. Die meisten Pflanzen, vor allem essbare Wilddisteln, sind für den Eigenverbrauch, manche werden auf improvisierten Märkten verkauft. Auf der anderen Seite, die israelische Forst- und Parkbehörde, die versucht, die überwiegend alten Männer und Frauen daran zu hindern, und hohe Geldbußen verhängt. Ein absurdes Theater in Art eines Katz- und Mausspiels.

Gejagt wird auch im argentinischen Film Luminum von Maximiliano Schonfeld.
Jagdobjekt sind hier allerdings Ufo-Sichtungen. Bereits in den 90er Jahren haben Mutter und Tochter sich mit Phänomenen beschäftigt, die sie eindeutig ausserirdischen Aktivitäten zuordnen. Und so wechselt der Film vom Heute, in einer nächtlichen argentinischen Landschaft, der ideale Projektionsfläche für alle möglichen Ideen, zu rauschigen 90er Jahre VHS Aufnahmen mit toten Rindern und TV-Auftritten der beiden Damen.
Gegen Ende des Films kippt die Geschichte vom Beobachtenden, Dokumentierenden ins Experimentelle, als hätten die beiden Frauen den Regisseur überzeugt. Lichtpunkte, die über den Himmel schwirren, immer weiter pixelig vergrössert, unterlegt mit Saint-Saëns “Schwan”, interpretiert auf einer singenden Säge. Die filmischen Genre-Grenzen fliessen ineinander, wie bei den Ufos, man weiss es halt nicht so genau.

Einen 10-minütigen Spass gibt es mit Eine Sekunde in Fränkli von Douwe Dijkstra. Mit viel Witz und technischen Spielereien geht der Regisseur der Frage nach, wer auf den 1 und 5 Franken Münzen zu sehen ist. Und könnte man da nicht auch etwas anderes zeigen? Vorschläge kommen aus dem Off, von befragten Passanten: ein nackter Po, Roger Federer, alles scheint denkbar.
Und warum gibt es keine 1 Franken Münzen von 2021 und 2022? Frech und witzig.

 

Wachsen und Werden

 

 

In Éclaireuses (Leading lights) von Lydie Wisshaupt-Claudel wird eine kleine, spendenfinanzierte Schule portraitiert. Wobei Schule den Kern nicht trifft. Hier werden 6-15-jährige Flüchtlingskinder unterrichtet, aber nicht in einer strengen schul- und lernkonformen Art. Keines der Kinder war jemals in einer Schule, sie sind oft schnell aggressiv und haben keine Vorstellung von Zeitstruktur. Das alles wird mit enormer Geduld von den Lehrerinnen vermittelt, ein Prozess, der dauert, und der Zuschauer ist ganz unmittelbar dabei. Die Kamera ist mitten im Geschehen und wartet ab, bleibt drauf, das fordert auch vom Zuschauer Geduld, erzählt dafür aber um so genauer, was für eine unglaubliche Leistung da erbracht wird.

Getting Old Stinks von Peter Entell ist ein Langzeitprojekt in XL-Version.
Über 15 Jahre hat der Regisseur seine Familie, mit besonderem Fokus auf den Vater, gefilmt. Immer wiederkehrende Situationen wie Geburtstage, das Vortragen eines Gedichts, aber auch Gespräche über das Altern. Angelegt als Brief an die früh verstorbene Mutter, ist der Film dennoch hauptsächlich eine Reflexion über das Altern, das Verschwinden und die Familie. Das Material lag dann nach Ende des Drehens noch einmal 15 Jahre in einer Schublade, bevor es jetzt zusammengestellt und präsentiert werden konnte.
Dokumentarfilm ist eine Form der Geduldsübung, immer.