Endlich wieder ins Kino

Admiralkino (c) ch.dériaz
Admiralkino
(c) ch.dériaz

Ins Kino gehen, endlich

Seit dem 19.Juni spielen, zumindest in Wien, die Programmkinos wieder.
Zeit also, endlich wieder ins Kino zu gehen.
Allerdings gilt es einiges zu beachten, zum Beispiel rechtzeitig Karten reservieren, frühzeitig kommen, um diese Karten in Empfang zu nehmen.

Abstand halten im Saal (c) ch.dériaz
Abstand halten im Saal
(c) ch.dériaz

Und da zwischen jedem Zuschauer, der mit seinem Sitznachbarn nicht in einem Haushalt lebt, ein Sitz frei bleiben muss, gilt es, lieber etwas früher in den Kinosaal zu gehen, um ein brauchbares „Schachbrettmuster“ zusammenzubringen.
Trotzdem: endlich wieder Kino im Kino.

Der Film

 

Die Perfekte Kandidatin (c) ch.dériaz
Die Perfekte Kandidatin
(c) ch.dériaz

Die Perfekte Kandidatin von Haifaa Al-Mansour ist nach Das Mädchen Wadjda eine weitere Saudi Arabisch-Deutsche Koproduktion der Regisseurin. Die Erwartungen sind hoch, denn mit Das Mädchen Wadjda hat sie bezaubert und begeistert.
Und obwohl auch in Die Perfekte Kandidatin ein durchaus interessantes und wichtiges Thema verhandelt wird, bleibt die Geschichte zu dünn.
Eine junge Ärztin in einem Unfallkrankenhaus, die eigentlich nur zweierlei will, die Strasse vor der Ambulanz endlich asphaltiert sehen und einen gut bezahlte Stelle in einem Krankenhaus in Dubai bekommen. Doch plötzlich findet sie sich als Gemeinderatskandidatin wieder. Dass das natürlich nicht einfach so ein kleiner lokaler Wahlkampf wird, ist klar. Aber es ist nicht genug, da hilft es auch nicht, dass parallel die Geschichte der Musikgruppe ihres Vaters erzählt wird, zumal diese Geschichte völlig blutleer bleibt. An sich gäben beide Handlungsstränge einiges an Potenzial her, aber sie sind zu vage gehalten, die Konflikte bleiben sehr an der Oberfläche, lösen sich irgendwie in Luft auf, und verpuffen dadurch.
Dass am Ende auch noch der mies gelaunte alte Patient, der sich anfangs nicht mal von der Ärztin anschauen, geschweige denn anfassen lassen will, sich nicht nur bei ihr für die Behandlung bedankt, sondern eine Art Wahlkampfrede zu ihren Gunsten vorträgt, geht gar nicht.

Nettigkeit und Koproduktion

Es stellt sich die Frage, ob eventuell Teile dieser gefälligen Geschichte so und nicht anders ausgefallen sind, um alle geldgebenden Seiten zufriedenzustellen. Teile der deutschen Finanzierung kommen vom NDR, so wird der Film ohne grosse Aufregung im Fernsehen zur Hauptsendezeit laufen können. Schade ist, dass ein so wichtiges Thema wie Frauenrechte in streng islamischen Staaten in Seichtigkeit und Zuckerguss ertrinkt.

Einlass (c) ch.dériaz
Einlass
(c) ch.dériaz
Trotzdem

Es ist schön wieder ins Kino zu gehen, im dunklen Saal auf eine grosse Leinwand zu schauen, sich darüber zu ärgern, dass von hinten jemand beständig gegen die Sitzlehne tritt, dass laut knisternd im Saal gefuttert wird und dass es immer, wirklich immer, Leute gibt, die ihrem Sitznachbarn halb geflüstert den Film erklären.

Ich hab das vermisst.

Das Kino leuchtet wieder (c) ch.dériaz
Das Kino leuchtet wieder
(c) ch.dériaz

Der Film läuft in Wien in folgenden Kinos in Originalfassung:
Admiral Kino
, Votivkino , DeFrance

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.