#FilmTipp Ninjababy

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Gefühlsvielfalt

 

Was tun, wenn man plötzlich erfährt, dass man seit sechseinhalb Monaten schwanger ist?
Das ist die Ausgangslage im norwegischen Film Ninjababy von Yngvild Sve Flikke.

Rakel, die Schwangere, ist chaotisch, liebenswert, versoffen, und hat gerne Sex, all das passt so überhaupt nicht mit Mutterschaft zusammen. Dass sie eigentlich auch zunächst nicht genau weiss, wer der mögliche Mann zum werdenden Kind ist, hilft natürlich auch nicht weiter.
Und so ist für sie auch völlig klar: Das Kind muss weg.
Hier wäre schon viel Platz, um mit widersprüchlichen Gefühlen und Möglichkeiten zu hadern, zu kämpfen, zu räsonieren.

Zeichen an der Wand

Ninjababy fügt dem aber noch die Animation hinzu. Das Ungeborene, das sich so lange gar nicht manifestiert hat, wird plötzlich sehr vorlaut und erscheint Rakel in Form des titelgebenden Ninjababys. Mal meckert es von der Zimmerwand, mal vom Schreibtisch runter, es quängelt und will diskutieren, es will mitbestimmen.
Kurz, es ist das personifizierte Gefühlschaos. Dazu kommen zu Anfang noch recht schräge Erinnerungsfetzen und Zukunftvisionen, die ins Film-Jetzt hineinkrachen, aber leider irgendwann verloren gehen.

Kitschklippen

Die Geschichte schwankt immer wieder verdächtig nah an Kitschklippen heran, spielt mit den bekannten, erwartbaren 08/15 Standardlösungen, nur um diese im letzten Moment zu umfahren. Man atmet auf.
Die Figur Rakel muss nicht gerettet werden, weder vom netten Aikidolehrer, noch vom gruseligen One-Night-Stand, der für das Kind mitverantwortlich ist.
Das macht den Film angenehm.
Dazu kommen die sehr guten Darsteller, die alle, anders als in vergleichbare amerikanischen Filmen, weder als Modell noch als Leistungssportler durchgehen würden, sie sind einfach junge Erwachsene, die irgendwie aussehen. Auch das ist dem Film hoch anzurechnen. Dass er insgesamt weniger schräg ist, als der Trailer vermuten lässt, liegt auch an der subjektiven Erwartung.

Insgesamt ein freundlicher Film, der zwischen Spass und Ernst eine angenehme Balance findet und der es zulässt, Mutterschaft nicht als das höchste Glück zu feiern.

Zurzeit noch in folgenden Kinos zu sehen:
Stadtkino oder Votivkino

 

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