#FilmTipp Killers of the Flower Moon

(c) ch.dériaz

 

 

Sitzfleisch

Martin Scorseses neuer Film Killers of the Flower Moon verlangt Sitzfleisch.
Mit 206 Minuten Laufzeit ist der Film selbst für Scorsese lang.
Aber lohnt sich das?
206 Minuten, also 3 Stunden und 26 Minuten lang – still – im Kino zu sitzen?


Erbe

Prinzipiell ist die Geschichte rasch erzählt: Das Volk der Osage erhält Land, das nach nichts Besonderem aussieht, aber in den späten 1890er Jahren plötzlich Erdöl preisgibt. Die Osage besitzen nicht nur das Land, sondern auch die Rechte an der Vermarktung des Erdöls, und kommen so zu erheblichem Reichtum, und verlassen gleichzeitig auch ihren traditionellen Lebensstil, die Moderne erhält mehr und mehr Raum. Dass das bei den weissen US-Amerikanern nicht so gut ankommt, kann man sich vorstellen.

Erbschleicher

Der Filmhandlung beginnt in den 20er Jahren des 20. Jahrhunderts, der Reichtum ist etabliert, Osage und ihre weissen Nachbarn leben in scheinbarer Harmonie zusammen, Ehen werden zwischen Weissen und Osage geschlossen. Aber die Motive sind nicht ewige Liebe, sondern Neid und der perfide Plan, mittels Erbe an den Boden und damit den Reichtum zu kommen.

Exposition

Scorsese lässt sich Zeit. Am Anfang zeigt er mit fast wissenschaftlichem Ernst den Alltag, das Miteinander, etabliert die Bühne für das kommende Drama. Er macht das mit Bildern, in denen es vor Menschen und Aktivitäten nur so wuselt, in denen man meint, den Ort, Fairfax, zu riechen.
Er mischt Bildformate und wechselt von leicht sepiaeingefärbten Szenen zu Schwarzweissbildern in dichtem 4:3 Format und wieder zurück. Auch hier eine Vorbereitung auf echte Filmbilder aus der Zeit, die dem Film und der Geschichte immer wieder Tiefe und Bezug zur Realität geben.

 

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Schaupielkunst

Und erst als die Ausgangslage hinreichend etabliert ist, lässt er sein unglaubliches Schauspielerensemble los. Leonardo DiCaprio, der mit fast ständiger Schmollmiene den naiven Deppen spielt, den idealen Mitläufer und Erfüllungsgehilfen. Und das macht er grausam gut.
Robert De Niro hingegen macht mit seiner freundlichen Art, der stets ruhigen, leisen Stimme, den scheinbar menschenfreundlichen Gedanken Angst. Er ist grundböse und macht sich kaum selbst Hände schmutzig. Er ist dabei so sanft, dass es einen schaudert. Es gibt kaum Szenen, in denen jemand schreit, ausfällig wird. Umso brutaler alles, was sich abspielt.
Und schliesslich Lily Gladstone, die gleichzeitig abgeklärt, sanft und überlegen sein darf, krank und schutzlos und dann wieder, in völliger Ruhe, stark und berechnend.
Alleine das Spiel dieser drei Darsteller ist jede Minute des Films wert.

Bilder

Zusammengehalten wird alles durch die beeindruckende Bildgestaltung von Rodrigo Prieto, der oft mit langen, bewegten Einstellungen arbeitet, was gleichzeitig inszeniert und dokumentarisch ist, und so viel Nähe zur Situation schaftt. Durch Licht, Schatten und Einfärbungen unterstreicht er den subtilen Horror der Geschichte, während Thelma Schoonmaker mit dem Schnitt zwischen Laufenlassen und plötzlicher Irritation durch unvorhersehbare Schnittfolgen die Balance hält und Spannung erzeugt.

Lohnt sich das also?

Die Antwort ist leicht: ja, das lohnt sich.
Vorausgesetzt man trinkt nicht vor oder während der Vorstellung zu viel.
Nichts ist nerviger, als in einem Kino zu sitzen, wo ständig jemand einem auf die Füsse trampelt, durchs Bild läuft, um mal eben schnell aufs Klo zu gehen.

Der Film läuft in Wien im Original im Burgkino und im Hayden Kino

2 Gedanken zu „#FilmTipp Killers of the Flower Moon“

  1. Die Osange, die aber eigentlich Osage heißen, ach herrje, jetzt kann ich es nicht mehr ändern. Doch am liebsten mag’ ich die Dosage!

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