#Diagonale 2024 Die Eröffnung

 

(c) Diagonale

 

 

Die Neuen

 

Die Grazer Diagonale hat eine neue Doppelintendanz: Dominik Kamalzadeh und Claudia Slanar. Und noch bevor man sich ein inhaltlich-künstlerische Bild von ihnen machen kann, stechen einige Neuerungen ins Auge. Das Logo ist schlichter, aufgeräumter geworden, der Anfangstermin von Dienstag auf Donnerstag verschoben, der Katalog in Buchform ist verschwunden. Der Termin hat technische Gründe, zeitgemäss ist ein dicker, schwerer Katalog wohl eher nicht mehr und über das neue Logo könnte man streiten.
Was bleibt, ist die Eröffnung in der Helmut-List Halle, mit einer fröhlich-launigen Moderatorin, der Verleihung des Grossen Diagonale Schauspiel-Preises, dieses Jahr an Lukas Miko, mit Laudatio und emotionaler Dankesrede, und natürlich mit der Eröffnungsrede der Intendanten.
Waren die Reden der letzten Jahre oft (kultur)politisch und von kleinen Witzeleien und der persönlichen Sicht auf Film als Kunst- und Ausdrucksform geprägt, fielen Kamalzadeh und Slanar eher durch einen etwas trockenen und auch eher unpersönlichen Stil auf. Zentraler Satz, der natürlich einem Filmfestival bestens als „Gebrauchsanleitung“ dienen kann, die Hervorhebung der Kunst des Zusehens und des Zuhörens.
Die kommenden fünf Tagen sollten dazu reichlich Gelegenheit bieten.

 

Kinder

 

Ruth Beckermanns Dokumentarfilm Favoriten hat nach knapp einer Minute bereits die Zuschauer für sich eingenommen. Das ist rekordverdächtig.
Drei Jahre lang hat Beckermann mit kleinem Team eine Grundschulklasse und deren Lehrerin begleitet. Eine Klasse im Wiener Bezirk Favoriten, den manche Politiker gerne für ihre hässlichen Polemiken ausbeuten und zum Problembezirk stilisieren. Und ja, in der Klasse sind 24 Kinder, von denen wohl keines Eltern hat, die gebürtige Österreicher sind. Aber da hört dann die Problematik auch schon auf. Was man sieht, ist ein Haufen quirliger Kinder, denen nichts weniger als die Grundlage für ein selbstbestimmtes, respektvolles Leben beigebracht wird. Die Kamera bleibt scheinbar mühelos an den Kindern, reagiert entspannt auf Situationen und bindet die Kinder und die Lehrerin in das Drehgeschehen ein. So bekommt die Klasse den Auftrag, mit ihren Handys selber zu drehen, „bitte nicht hochkant und nicht die Finger vor die Linse halten“ wird ihnen mitgegeben, und schon legen sie los, mit Freude und Witz.
Es gibt extrem lustige und dann auch wieder ernste Momente, und eine Lehrerin, die diesen „Flohzirkus“ mit Freundlichkeit und Können leitet. Beckermann, und mit ihr die Zuschauer, beobachten, ohne zu bewerten, die persönlichen Entwicklungen der Kinder, die Schwierigkeiten und deren mögliche Lösungen liegen klar auf der Hand. Am Ende des Films glaubt man, was die Lehrerin den Kleinen, die auf andere Schulen wechseln werden, mitgibt: Ihr seid alle toll und ihr werdet alle einen guten Weg finden. Man hat am Ende aber auch verstanden, was für eine Mammutaufgabe das ist.

Das Publikum in Graz war begeistert, nicht nur vom Film, denn als die Lehrerin auf die Bühne kam, gab es noch mehr Beifall, der sich zu stehenden Ovationen steigerte. Ein guter Dokumentarfilm braucht auch Protagonisten, die von der Leinwand direkt die Zuschauer erreichen können.

 

(c) ch.dériaz

 

 

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