#Diagonale: Der Schluss

 

Mit Sack und Pack ins Kino
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Mit Sack und Pack ins Kino

 

Ein letzter Film noch, bevor es wieder zurückgeht, die Wahl fällt auf Der schönste Tag von Fabian Eder.
Der Saal füllt sich, die Plätze nicht ausgeschöpft, aber doch nicht so schlecht, für einen Dokumentarfilm, um 10 Uhr am Sonntagmorgen.
Ein Film, in dem, in weiten Teilen, Menschen reden, also Talkingheads, sie reden zum Thema Holocaust. Trotzdem ist das einer der besten Filme, die dieses Jahr zu sehen waren. Zum einen, weil der Film sich und dem Zuschauer Zeit lässt, zum anderen, weil eine der zentralen Ideen darin besteht, jeden Zeitzeugen mit einem jungen Menschen – meistens deren Enkel – in ein Zugabteil zu setzen, und das dort entstehende Gespräch mit sechs Kameras zu drehen. In Ruhe, mit viel Sensibilität. Ein privater Dialog, zwischen Menschen, die einander kennen und vertrauen.
Parallel zu diesen intergenerationalen Gesprächen geht es um die, seit 2013 im Umbau befindliche, Ausstellung in der KZ Gedenkstelle in Auschwitz, zur Rolle Österreichs während des Dritten Reichs. Auch hier: sprechende Menschen. Sie tun das eloquent, ruhig, und ohne filmischen Schnickschnack.
Dazwischen immer wieder vor allem: Zeit und sehr, sehr gute Bilder.
Selten ist ein so komplexes Thema, so ruhig, sensibel und, über 112 Minuten, spannend dargebracht worden. Dieser Film ist einfach toll.

Hinter den Kulissen ist es auch spannend

Es hat sich auch gelohnt, zur Diskussion nach dem Film zu bleiben, denn da lüftet sich das Geheimnis, um die Bilder im Zug: Das Abteil ist zum Drehen nachgebaut worden, während der Gespräche lief „live“ dazu der bewegte Hintergrund, wodurch eine absolut glaubwürdige Zugfahrtillusion entstand.
In den Film kamen, von den 23 gedrehten Dialogpaaren letztlich nur 4, die anderen werden als jeweils einzelne Gespräche gezeigt werden, im Fernsehen oder auch in Schulen.
Eine besondere Freude: der Film gewann den Publikumspreis der Diagonale.
Was wieder zeigt, man kann, man darf und muss dem Kinopublikum etwas zumuten.

 

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Die Preise 2021

Den Grossen Diagonale Preis/Spielfilm gewann Evi Romen für Hochwald.
Der Grosse Diagonale Preis/ Dokumentarfilm geht an Tizza Covi und Rainer Frimmel für Aufzeichnungen aus der Unterwelt

Die beiden Preise für die beste künstlerische Montage gehen an:
Karina Ressler und Joana Scrinzi für Fuchs im Bau
und an Yves Deschamps und Hubert Sauper für den Schnitt des Dokumentrafilms Epicentro.

Die Preise für die beste Bildgestaltung gehen an zwei Filme, die ich nicht gesehen habe.
Für die beste künstlerische Bildgestaltung/Dokumentarfilm geht der Preis an:
Jordane Chouzenoux für Wenn es Liebe wäre.

Für die beste künstlerische Bildgestaltung/Spielfilm  an Ludwig Wüst, für seinen Film 3.30PM.
Auch ohne den Film gesehen zu haben, mutet diese Entscheidung etwas seltsam an, da im Katalogtext folgendes zur Kamera/Bildgestaltung zu lesen ist:

Durch eine niedrigauflösende Bodycam, die einem der Darsteller an die Brust geheftet ist, „schafft sich der Regisseur während der Dreharbeiten ab“, wie Wüst es selbst bezeichnet.

Das mag als künstlerisches Mittel toll, oder spektakulär oder einfach nur originell sein, und der Preis heisst ja auch „für beste Bildgestaltung“ statt „Beste Kamera(arbeit)“, aber schöner wäre es schon, wenn den Preis auch Kameraleute bekämen.
Aber, wie so vieles, vielleicht ist auch das wieder nur geschmäcklerisch.

Alle Preise auf der Seite der Diagonale

 

Das war’s aus Graz, die Diagonale 2021 ist vorbei, vieles war anders als gewohnt, aber die Stimmung war gut und entspannt. Und es war eine so grosse Freude, endlich wieder ins Kino gehen zu können.
Die Diagonale 2022 wird vom 5. bis 10. April stattfinden.

Wie gemalt, Licht in Graz
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#Diagonale: Geschichte(n)

 

Gut, dass es Kino gibt

 

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Von Tigerinnen

 

Seiteneingang gefunden
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Die Diagonale nähert sich dem Ende, gleichzeitig wird das Wochenende wohl nochmal ein Zuschauerplus bringen.

Bereist am Morgen ist es beim Dokumetarfilm I am the Tirgress von Philipp Fussenegger, Dino Osmanovic ziemlich voll. Die titelgebende Tigerin ist kein Raubtier, sondern eine amerikanische Bodybuilderin Ende 40. Kein glamouröses Leben, sondern täglicher Kampf: Muskelaufbau, der schmerzt, blöde Kommentare zu ihrem Körper auf der Strasse, Rassismus, Shows, bei denen von Anfang an klar ist, wer gewinnen wird, dennoch, aufstehen und weitermachen scheint ihr Lebensmotto zu sein. Und dabei reisst sie die Zuschauer mit, schon von der Leinwand herunter verbreitet sie gute Laune, als sie und das Team am Ende vor der Leinwand stehen, gibt es tatsächlich Johlen und Jubeln. Eine starke Frau, die sich nicht scheut auch Verwundbarkeit zu zeigen, deren Muskeln kein Panzer sind, sondern ihr Mittel zu Selbstakzeptanz.

 

Beifall für: I am the Tigress
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Wann ist wo Heimat?

 

Weiyena – Ein Heimatfilm von Weina Zhao, Judith Benedikt. Weina Zhao, gebürtige Chinesin, aufgewachsen in Wien, sucht nach den Wurzeln ihrer Familie, und erzählt dabei die Geschichte Chinas seit dem frühen 20. Jahrhundert. Eine harte Geschichte, die auch in ihrer Familie Spuren hinterlassen hat, und die die Beziehung zu Heimat noch weiter hinterfragt. Ein Film, der über mehrere Jahre hinweg entstanden ist, sehr persönlich und trotzdem sehenswert für Aussenstehende.

 

Geschichte – Oscarnominiert

 

Neuere Geschichte, direkt vor unserer Haustür, als Spielfilm verdichtet, personalisiert, so kann man Quo vadis Aida? von Jasmila Žbanić kurz zusammenfassen.
Die Bilder sind seit 25 Jahren immer wieder Teil der Fernsehnachrichten: Menschen, die vor der UN-Schutzzone warten, in der Sonne, hilflose UN-Blauhelmsoldaten, das Aufteilen in Männer und Frauen, Busse, die die Gruppen abtransportieren.
Kann man aus dem Massaker von Srebrenica einen Spielfilm machen?

Die UN-Dolmetscherin Aida, die in dem Chaos in der UN-Schutzzone neben ihrer Arbeit auch noch versucht, ihren Mann und ihr beiden Söhne zu retten, macht aus Geschichte eine Geschichte. Das ist gut und das ist wichtig. Was neben dem tollen, ausdrucksstarken Spiel von Jasna Đuričić besonders überzeugt, ist die Bildgestaltung. Kamerafrau Christine A. Maier orientiert sich an der Farb- und Lichtstimmung der 90er Jahre Bilder, erschafft dabei Neues und baut das Bekannte nach. Das Ergebnis ist gleichermassen beeindruckend wie auch erschütternd. Die Kriege, besonders die in unserer Nachbarschaft, dürfen nicht vergessen werden, wenn Spielfilme dazu beitragen können, dann ist das gut.
In Österreich kommt der Film Ende Juni in die Kinos.

 

Keine Lobby

 

Eine ganze Kategorie Filme hat es besonders schwer ausserhalb von Festivals gesehen zu werden, die sogenannten Innovativen- oder Experimentalfilme.

 Fragebogen von Antoinette Zwirchmayr, legt im OFF gestellte Fagen aus einem Buch von Max Frisch über statische, stumme, schwarz-weiss Bilder ihres Grossvaters. Antworten gibt es keine. Eine eigenartige Komposition.

film von Marlies Stöger, André Tschinder ist Teil einer Idee, die schon einige Ausführungen hatte: das Erstellen der neuen Kunstform Zu-Realismus. Mit sparsamen, aber intelligenten Mitteln wird das zu-realistische Manifest erklärt.

We’ll always have Paris von Ella Raidel ist ein Spiel mit Erwartungen. Was sehen wir, wenn wir etwas sehen? Und können wir uns immer auf unsere Sinne verlassen? Besonders im Kino sollte man das infrage stellen.

Traces von Stephanie Rizaj, Marvin Kanas verwirrt mit wechselnden Motiven. Einerseits karge Landschaften, dann wieder städtische Oberflächen, Häuser, Risse, Wege, dazu Kinderstimmen, die von Träumen erzählen. Der Reiz dabei: Welchen Reim man sich darauf macht, muss man selber finden.

Ruins in reverse von Olena Newkryta ist ein langes Philosophieren über die politische, ideologische Implikation von Bauruinen. Auch das ist zunächst sehr fremd, aber auch wieder spannend.
Filme zum Nachdenken, zum Weiterdenken, die man vielleicht doch auch bei Gelegenheit einem breiteren Publikum zutrauen kann.

 

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#Diagonale: Perspektiven

 

Schubertkino
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Die letzte Reihe

 

Ein ganzer Tag fast ohne Kino, der der persönlichen Virenbekämpfung gewidmet war. Am Abend ist dann doch noch ein Kinobesuch möglich. Durch die automatische Platzvergabe bei der Onlinebuchung entstehen völlig neue Perspektiven in Kinosälen, so sieht der kleine Schubert 2 Kinosaal aus der letzten Reihe fast gross aus, allerdings erscheint die Leinwand dann doch eher winzig. Und, wer hätte das gewusst, in der letzten Reihe gibt es Doppelsitzbänke: Knutschkinositze!
Auch der Film des Abends war nicht wirklich geplant, sondern den Reservierungsmöglichkeiten geschuldet.

 

Rhythmusgefühl

 

Man muss Thomas Antonic dankbar sein, dass er mit One More Step West Is the Sea: ruth weiss, die Künstlerin und Beatpoetin Ruth Weiss auf die Leinwand bringt, was er dann allerdings aus dem Material dieser grossartigen Frau macht, ist deprimierend. Zwischen 2017 und 2019 dreht er in Kalifornien Interviews, Lesungen, begleitet die 1928 geborene Dichterin. Man sieht eine aktive, frech blitzende alte Dame, die eloquent über Dichtung, Film und Rhythmus spricht. Man hört alte und neue, von Jazz begleitete, Lesungen, alles höchst strukturiert, die Bilder dazu sind es aber nicht. Sie beziehen sich in keiner Form auf den Sprachrhythmus, weder in dem sie ihm folgen, noch indem sie ihm widersprechen – was auch eine Möglichkeit wäre. An vielen Stellen kleben Interviews viel zu nah an Sequenzen mit Lesungen, man stolpert als Zuschauer, kann weder das eine geniessen, noch dem anderen wirklich zuhören. Immer wieder gibt es Verlegenheitsüberblendungen, an Stellen, an denen man ganz entspannt hätte hart schneiden können. Oder es werden Photos von Zeitgenossen der Protagonistin als Bildüberlagerung eingeblendet, aber so kurz, dass man fast keine Zeit hat, zu sehen, wer da im Bild aufflackert. Das alles ist jammerschade! Die Bilder und die Poetin hätten einen besseren Schnitt verdient.

Kurzfilme … ein Versprechen

 

Am Morgen gleich ein Kurzspielfilmprogramm, vier Filme, die alle Menschen am Rand der Gesellschaft zum Thema haben.
Ein Jugendlicher, der gerne Teil der lokalen Gang wäre, von der er aber nie so wirklich ernst genommen wird, egal was er für sie tut.
Dominik Galleya und Clemens Niel zeigen diese Geschichte in tauchen, mit viel Empathie aber auch mit einer Portion absurdem Humor.
Gegen Ende surreal ist Liebe, Pflicht & Hoffnung von Maximilian Conway. Eine Supermarktangestellte, die erst ihren Job verliert, der man den Strom abschaltet, der die Räumung droht, und immer bleibt in ihr ein Schimmer Hoffnung, egal wie fest und schnell die Schläge gegen sie geführt werden.
In FABIU von Stefan Langthaler stellt sich ein alter Mann seinen – unterdrückten – Gefühlen, als er statt einer weiblichen Pflegerin für seine Frau einen jungen Mann aus Ungarn als 24-Stunde Pflege bekommt. Sehr schön gedreht, mit vielen extrem nahen Bildern.
In Fidibus von Klara von Veegh irrt eine Mutter mit ihrem kleinen Sohn durch die Kälte. Ist sie obdachlos, oder läuft sie weg? Der Film spielt mit traumartigen Sequenzen, die lange offen lassen, was wirklich passiert ist.
Von allen Regisseuren und Regisseurinnen möchte man gerne mehr sehen.

 

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Reihe eins ist ganz hinten

 

 

Luxussitze ganz Hinten
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Das Onlineticket weist aus: Reihe eins, das klingt nicht so toll, aber in der vordersten Reihe angekommen stellt sich heraus, in diesem Kino wird von hinten nach vorne gezählt. Also, auf nach ganz oben, wo vornehme (Kunst)Ledersessel mit extra breiten Armlehen zum fläzen einladen. Auch das ist ein neuer Blickwinkel. Aber recht voll werden die Säle weiterhin nicht, und das liegt nicht an der verminderten Platzzahl, denn die erlaubten Plätze sind nicht alle besetzt.

 

Dazugehören

 

Hochwald von Evi Romen ist relativ gut besucht, aber dieser tolle Film braucht viel mehr Publikum.
Mario gehört irgendwie nirgends richtig dazu, in seinem Bergdorf nicht, in der Stadt nicht, zu anders scheint er zu sein, aber wer er genau ist, das zeigt er auch keinem. Sein bester Freund scheint es besser getroffen zu haben, er kommt aus der reicheren Familie, hat ein Begabtenstipendium bekommen und lebt auch seine Homosexualität unbekümmert aus. Eine Tragödie wirft Mario dann völlig aus der Bahn. Aber es ist nicht die starke Geschichte, die so beeindruckt, sondern die Machart, wie sie visuell umgesetzt ist. Die Figuren haben Raum zu spielen, weil sie nicht in einem Korsett aus Schnitt/Gegenschnitt gefangen sind. Der Schnitt ist rasant, lässt Sprünge zu und bleibt trotzdem absolut im Fluss und der Geschichte treu. Wirklich sehenswert.

Das kann man über Risiken und Nebenwirkungen von Michael Kreihsl nicht sagen.
Szenen zweier Ehen, in denen es darum zu gehen scheint, ob man(n) seiner Partnerin eine Niere spendet. Als sich der eigene Mann ziert, willigt der Mann der anderen ein, zu spenden, was wiederum Streit zwischen allen auslöst. Am Ende geht es eigentlich bloss um simple eheliche Untreue. Der Film basiert auf einem (Boulevard)Theaterstück, aber jede Pointe, jedes Tempo fehlt, zudem spielen drei der vier Hauptdarsteller in jeder Szenen so, als würden sie am Ende des Dialogs in schallendes Gelächter ausbrechen. Dabei ist es egal, ob da gerade Ernstes verhandelt wird oder gestritten wird, Gestik und Mimik sind hoffnungslos überzogen. Auch die Wendungen am Schluss funktionieren in dieser lahmen Konstellation nicht wie Pointen, sondern höchstens wie ein müder Witz.

 

Diagonale Festivalzentrum
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Albträume und Masken

Einmal quer durch Graz zum letzten Film des Tages. Die Hinweisschilder, wo es in den jeweiligen Saal geht, sind nicht immer ganz eindeutig, was dazu führt, dass man auch einfach verträumt vor einer Tür wartet, die sich nicht öffnen wird. Zum Glück klärt sich der Fehler rechtzeitig.

Es wäre sehr schade gewesen, 2551.01 von Norbert Pfaffenbichler zu versäumen. Ein furioser Stummfilm, der eine apokalyptische Unterwelt zeigt, in der sich jede Menge gruseliger Kreaturen mit schauderhaften Masken prügeln, verfolgen, terrorisieren, dazwischen eine affenartig maskierte Figur, die ein vermummtes Kind rettet. Versatzstücke ikonischer Bilder aus Filmen, aus Nachrichten oder von Pressephotos blitzen kurz auf, werden aufgenommen, bilden den Anfang einer Variante. Albträume werden wahr, bewegen sich, lösen sich auf, um gleich im nächsten Raum einen weiteren Albtraum lebendig werden zu lassen. Ein völlig irrer, wunderbarer Film, mit kluger Dramaturgie, sparsamen, aber tollen Toneffekten und einer treibenden Musik.

Die Abende sind lau, die Sperrstunde ist nach hinten verlängert, und so sieht man in und vor Lokalen oder auf Plätzen deutlich mehr Menschen als in den Kinos der Stadt, wirtschaftlich wird diese Diagonale vermutlich nicht so gut abschneiden.

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#Diagonale: Gutgelaunt in Graz

 

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Entschleunigung

 

8:31 am ersten regulären Festivaltag, seit einer Minute ist es möglich, sich für den kommenden Tag Karten zu reservieren, und für die Abendvorstellung gibt es schon keine Plätze mehr. Gut für die Bilanz des Kinos, schlecht für mich.

3 Gs
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10:20 vor dem ersten Kino, nicht viel los, dafür werden Impfnachweise oder Tests kontrolliert, der Eingang in den Saal wurde um die Ecke verlegt, damit die Kontrollen – hier Gesundheit, dort Ticket – getrennt ablaufen können.

 

Kabelsalat

Nur insgesamt 20 Zuschauer finden sich im Kino ein, um Bitte warten von Pavel Cuzuio zu sehen. Das ist wirklich sehr schade, der Film verdient auf jeden Fall mehr Aufmerksamkeit. Der Dokumentarfilm begleitet vier Teams von Telekommunikationstechnikern am äusseren östlichen Rand Europas bei ihrer Arbeit. Ganz am Anfang werden einmal die Orte: Bulgarien, Moldavien, Rumänien und die Ukraine, eingeblendet, danach folgt Pavel Cuzuio den Teams und dem Rhythmus ihrer Arbeit. Sie entwirren Kabelsalat, richten Internetverbindungen auf altmodischen Rechnern neu ein, reparieren vorsintflutlich erscheinende Telephone. Alles im Dienst der Kommunikation, wobei die hauptsächliche Kommunikationsebene, der direkte Austausch, von Mensch zu Mensch stattfindet. Der Film vermischt unbekümmert Orte, Schauplätze und Kunden, ist dabei aber immer dem Schnitt und seinem Fluss verpflichtet. Daraus entsteht ein witziger, pfiffiger Dokumentarfilm, den es wirklich zu sehen lohnt.

Innovativ – Experimentell

 

Nach kurzer Pause geht es zum Programm innovatives Kino, der Saal ist schon deutlich voller als am Morgen. Die ersten drei Filme des Programms zeigen Varianten von Stoppmotion und Motioncontrol, jeder auf seine Art spannend.

Es ist genau genug Zeit ist ein Filmgewordenes Daumenkino, das Vermächtnis des 12-jährigen Oskar Salomonowitz, fertiggestellt von dessen Vater Virgil Widrich. In nur zwei Minuten entfaltet sich ein Strichmännchen-Actionfilm mit viel Witz und Herz.
O von Paul Wenninger ist ein ausgeklügeltes Werk aus vielen Bildebenen, in denen ein Raum um einen Protagonisten kreist, immer schneller, immer abgefahrener. Eine, auch technisch, spannende Arbeit.
Auch Warten von Bernd Oppl arbeitet mit Stoppmotion und ganz unmerklichen Veränderungen im Bildausschnitt, es entsteht eine Geschichte des Wartens, der Zeit, des Verfalls. Imperial Irrigation von Lukas Marxt ist eine Art experimenteller Dokumentarfilm. Marxt mischt verfremdete Photos mit zerhackt wirkenden Bewegtbildern, fügt unheimlich anmutende Geräusche hinzu und rundet alles mit einer monotonen Erzählstimme ab. Mit diesen verfremdenden Mitteln entsteht das Bild einer zerstörten, vernarbten Landschaft in Kalifornien, das ist informativ und auch irgendwie sehr unheimlich.

Die Pandemie betrachten

Während maskierte Gesichter mittlerweile zum Alltag geworden sind, man wie selbstverständlich vor jedem Kaffee einen Beleg der eigenen Gesundheit vorweist und sich namentlich registriert, sind Filme über die Pandemie immer noch eher selten. Kristina Schranz’ Abschlussfilm Vakuum zeigt den Verlauf der Pandemie im Burgenland, vom ersten Lockdown über das erste Öffnen und in den zweiten Lockdown. In statischen Totalen zeigt sie den Stillstand, die Leere, Menschen, die am Anfang des ersten Lockdowns aufräumen, organisieren, aber im Lauf der Zeit auch deutlich mutloser werden. Die Bilder, die Ausschnitte sind klug gewählt und spannend, schade nur, dass bei den Interviews dann auch kein Material vorhanden ist, um zu schneiden, so springen eben die Köpfe hin und her, was, egal wie man das künstlerisch findet, immer vom Inhalt des Interviews ablenkt. Trotzdem: ein spannender erster Langfilm.

Lieblingsplätze adé

 

 

Freie Sitze
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Durch das entzerrten Programm kann man tatsächlich nur 4 Projektionen pro Tag sehen, da bleibt Zeit zwischendurch in die Sonne zu blinzeln, die Maske abzunehmen, sogar etwas in Ruhe zu essen, statt zu schlingen. Auch das sonst eher übliche Rennen von einem Kino zum nächsten entfällt. Das Anstehen an der Kasse, um reservierte Tickets abzuholen, entfällt, statt dessen müssen die Plätze eine Stunde vorher nochmals online bestätigt werden. Allerdings fällt auch weg sich auf den persönlichen Lieblingsplatz zu setzten, zum Beispiel irgendwo im vorderen Drittel am Rand, das Onlinesystem weist Plätze zu, gnadenlos.
Diagonale entschleunigt. Also, ausser wenn es um das Reservieren von Tickets geht.

Motorengeheul

 

Für Motorcity von Arthur Summereder hätte es angeblich auch keine Karten zu reservieren gegeben, aber das Kino ist weit davon entfernt, voll zu sein, und das nicht nur, weil jeder zweite Platz frei bleiben muss. Summereder erzählt Detroit, die Stadt der Autos, der Motoren, aber nicht anhand der Automobilindustrie, sondern in dem er Fahrern und Fahrerinnen von Dragraces, also Beschleunigungsrennen, folgt. Obwohl der Film schräge und interessante Protagonisten, röhrende Motoren und abgeriebenes Reifengummi zeigt, fehlt ihm über die Dauer eine sinnvolle Struktur. Da hilft auch der etwas elegische, wenn auch sehr persönliche, Off-Text, oder die diversen Archivfilme der Autoindustrie nicht, die Dramaturgie hakt.

 

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Ein erster Festivaltag endet, er endet früh, draussen ist es noch nicht mal richtig dunkel, aber Kino gibt es für den Tag nicht mehr. Die Laune in Graz ist dennoch gut, es ist eben alles etwas gemütlicher als sonst.

# Diagonale: Die Eröffnung

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Zurück in Graz

 

Nach einem Jahr (Zwangs)Pause ist die Diagonale zurück in Graz.
Und diesmal, durch die Verlegung von März auf Juni, bei wahrhaft sommerlichen Temperaturen. Die österreichische Filmbranche versammelt sich, ob die Beschränkungen der Stimmung schaden werden, wird sich zeigen.

 

Ein bisschen neu

 

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Das Festivalzentrum ist, statt im knuffigen Kunsthaus, in eine ehemalige Schuhgeschäftsfiliale gewandert, und schon bevor es richtig losgeht, ist eines klar: Das wichtigste Werkzeug wird ein gut geladenes Smartphone sein. Karten reservieren ab 8:30 am morgen für denselben – oder den Folgetag, diese müssen dann aber am Tag selber jeweils eine Stunde vorher nochmals bestätigt werden.
Mal sehen, wie das klappt. Die Karten sind personalisiert und mit zugewiesenem Sitzplatz, um so allen Pandemieregeln zu gehorchen. Masken und Test – oder Impfnachweise sind selbstverständlich auch verpflichtend. Partys und abendliche Treffen gibt es dieses Jahr keine, also auch keine Party nach der Eröffnung. Die Rahmenveranstaltungen sind sehr reduziert und auch dazu muss man sich anmelden, um Menschenansammlungen zu vermeiden.
Gegen Mitte der Woche sollten die Öffnungszeiten der Gastronomie von 22 auf 24 Uhr verlängert werden, auch hier: mal sehen wie das funktioniert.

 

Die Eröffnung

 

Spartanisch irgendwie
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Der Vorraum zum Saal erscheint leer, kleine Grüppchen trudeln ein, es gibt keine Bar, das sieht irgendwie trostlos aus.
Als der Saal sich dann langsam zu füllen beginnt, sieht die Sache schon etwas besser aus, denn obwohl jeder zweite Platz frei bleiben muss, ist die Eröffnung gut besucht. Anbetracht der frühen Sperrstunden fällt die Rede der Intendanten Sebastian Höglinger und Peter Schernhuber eher kurz aus, allerdings nicht ohne zu
betonen, dass nicht die Kultur darnieder lag (und liegt), sondern die Kunst.

Kunst ernst nehmen

Vonseiten der Bundespolitik glänzt der grüne Vizekanzler und Kulturminister mit Abwesenheit, lokale, also steierische, Politiker sind dagegen sehr wohl unter den Gästen, genau wie die Wiener Kulturstadträtin. Es wundert schon immer wieder, wie wenig die österreichische Bundespolitik sich um die Belange der Filmkunst kümmert. Die Diagonale ist schliesslich nicht irgendein kleines lokales Filmfestchen, sondern die Leistungsschau des österreichischen Filmschaffens, das ist sowohl wirtschaftlich wie auch kulturell durchaus bedeutend.

 

Auch 50 % ist irgendwie voll
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Der erste Film

 

Fuchs im Bau von Arman T. Riahi lief bereits in Saarbrücken, wo er mehrere Preise, darunter den für die beste Regie, gewann. Jetzt also in Graz die Österreich Premiere.
Was an diesem Film als erstes begeistert, ist das Spiel der Bilder in immer unübersichtlich bleibenden Räumen. Egal, ob im Jugendgefängnis oder in einer Wohnung, immer scheinen Wände, Gitter, und Ecken den Durch- und Überblick zu verhindern, oder zumindest zu erschweren. Eine Unruhe steckt in dieser verschachtelten Bilddramaturgie, eine Unruhe, die sich auch im Klassenzimmer der Haftanstalt fortsetzt. Ein abgeschlossener Ort, Jugendliche mit hohem Aggressionspotential, Justizbeamte, die die Jugendlichen am liebsten nur verwahren würden, und zwei Lehrer, die versuchen es besser zu machen, als das System es vorsieht. Das alleine hätte schon genug Potenzial für eine packende Geschichte. Aber so wie im Bild hinter jeder Ecke eine unerwartete neue Wand auftaucht, stecken in den Figuren Geschichten und Geheimnisse, die alles vielschichtiger werden lassen. Dass diese Hintergründe der Figuren am Ende nicht  restlos auserzählt werden, ist eine weitere Stärke des Films. Hinzu kommt ein fabelhaftes Darstellerensemble, allen voran die junge und unglaubliche Luna Jordan, die mit ihren Wechseln von fast autistisch zu explodierend aggressiv beeindruckt.
Fuchs im Bau läuft ab kommender Woche in österreichischen Kinos.

 

Bier to go

 

Statt einer Feier nach dieser gelungenen Premiere, gab es eine lustige Zuschauerchoreografie, um den Saal – regelkonform – wieder zu verlassen, und Getränke „to go“ für den Heimweg. Aber vielleicht ist das auch jammern auf hohem Niveau, immerhin gab es einen Saal voller Zuschauer, einen tollen Film und einen ersten Festivalabend.

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Filmfestivals sind zurück

 

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Die Diagonale in Graz

 

Nach Monaten ohne Kino und noch mehr Monaten ohne physisch stattfindenden Filmfestivals kommen Filme jetzt endlich zurück auf die Leinwände und zu physisch anwesendem Publikum.
Kommende Woche startet in Graz die Diagonale, in Kinos, mit Publikum, mit Masken und Abstand und weniger Plätzen pro Vorstellung.

Onsite statt online!


Die Vorstellungen sind zeitlich etwas entzerrt worden, sodass zwischen zwei Vorführungen die Säle gelüftet werden können. Reservieren wird zur Pflicht, wobei, das galt eigentlich ja schon immer. Aber oft standen dann doch grosse Menschentrauben vor den Kassen, in der Hoffnung doch noch, ohne Reservierung,  einen Platz zu ergattern. Wie das also dieses Jahr aussehen wird, muss man sehen. Auch wie leicht man, zum Beispiel als Akkreditierter, an Karten kommt, wird sich zeigen. Bei vielen Festivals muss man in der Minute, in der die Reservierungen freigeschaltet werden, auch schon reservieren, weil sonst schon nichts mehr geht.

Sperrstunde

 

Die beiden Festivalleiter Peter Schernhuber und Sebastian Höglinger, kürzlich für ein weiteres Jahr im Amt verlängert, versprechen auf jeden Fall eine spannende Diagonale. Auch wenn die, bis mindestens 10. Juni geltende, Sperrstunde um 22 Uhr für ein entspanntes Miteinander während des Festivals sicher eine Herausforderung werden wird.

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Schliesslich geht es bei der Diagonale, genau wie bei allen Festivals, auch darum, sich auszutauschen, das Gesehene zu besprechen, Kontakte zu knüpfen oder zu vertiefen. Aber trotz all dieser Fragen, es ist eine grosse Freude wieder an einem Festival teilnehmen zu können, wieder in Kinosälen zu sitzen, statt einsam am Computer zu Hause.

 

Eröffnet wird die Diagonale am 8. Juni mit Arman T. Riahis Fuchs im Bau.

# Es bleibt dunkel

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Bis auf Weiteres geschlossen

Kaum sind alle harten Massnahmen verlängert worden, kommt schon die erste Konsequenz fürs Frühjahr. Die Diagonale verschiebt ihren Termin, sicherheitshalber, von 16. – 21. März auf 8. bis 13. Juni. Damit erhöht sich die Chance, dass das Festival in einer, einigermassen gewohnten, physischen Form stattfinden wird. Jedes Festival, aber gerade eines wie die Diagonale in Graz, oder auch die Solothurner Filmtage, leben davon, dass man einander trifft. Leben vom Austausch zwischen Publikum und Filmemacher. Während also Solothurn morgen rein digital startet, setzt Graz auf Zeit und auf die Möglichkeit der wiedererlangten Bewegungsfreiheit.
Es bleibt nur zu hoffen.

 

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Licht(spiel)los

Die abgegriffenen Metaphern von Tunneln und Licht, von Marathonläufen, von letzten Metern und, und, und, sie alle täuschen schon lange nicht mehr darüber hinweg, dass wir von essenzieller geistiger Nahrung abgeschnitten sind.
Ja, das ist ziemlich sicher wichtig, keiner will krank werden, aber diese Erkenntnis hilft beim Durchhalten bald auch nicht mehr.

Trotzdem

Durchhalten

 

 

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Diagonale 2020 – Die Preise

Diagonale 2020_Preise
Diagonale 2020_Preise
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Die Unvollendete, doch ein bisschen vollendet

Eigentlich hätten die Preise der Diagonale Ende März vergeben werden sollen, am Ende einer Woche voller Filme, Gespräche und Begegnungen, auf einer Bühne, Rahmenprogramm inklusive. Dass dieses Jahr anders ist, hat sich langsam reichlich genug gezeigt.

Anders als einige andere ausgefallene Festivals, hatte sich die Diagonale entschieden, weder online zu gehen noch ein „abgespecktes“ Programm zu zeigen oder den Termin zu verschieben. Und so gab es einiges an Organisation, Terminkoordinierung und Klärungen, bevor die Jurymitglieder die Diagonale-Filme online anschauen, besprechen und bewerten konnten, aber jetzt ist es vollbracht, die Preisträger stehen fest.
Das ist wichtig.
Wichtig für die Filme/Filmemacher, wichtig aber auch für diejenigen, die die Preise stiften. Filmpreise sind auf mehreren Ebenen ein Wirtschaftsfaktor, der Wegfall also wirtschaftlich schwer verdaulich.

Die Preise

Der Abräumer des „Abends“ ist Sandra Wollners The Trouble With Being Born, der sowohl den Grossen Diagonale Preis Spielfilm bekam, als auch für den besten Schnitt (Hannes Bruun), das beste Sounddesign (Peter Kutin), und den besten Schauspieler (Dominik Warta ) ausgezeichnet wurde.

The trouble with being born
The trouble with being born
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Nicht unerwartet und zu Recht geht der Grosse Preis Diagonale Dokumentarfilm an Sabine Derflinger für DIE DOHNAL Frauenministerin / Feministin / Visionärin. Der Film läuft weiterhin in den Kinos, wer ihn noch nicht gesehen hat, kann und sollte das jetzt nachholen.

 

Space Dogs Plakat in Locarno
Space Dogs Plakat in Locarno
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Eine besondere Freude ist der Preis für die beste Kamera Dokumentarfilm.
SPACE DOGS lebt vom ruhigen, geduldigen (Kamera) Blick Yunus Roy Imers. Der Film kommt im Herbst in die Kinos.

 

 

 

Little Joe_Szenebild
Little Joe_Szenebild
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Auch hochverdient und erfreulich der Preis Szenenbild an Katharina Wöppermann für Little Joe, auch hier hat ihre künstlerische Leistung einen riesigen Anteil am Erfolg des Films.

 

 

Alle Preise gibt es hier.

Die Diagonale live erleben kann man dann vom 16. bis 21. März 2021 in Graz.

Diagonale 2020 – Die Unvollendete

DiagonaleReport_Homeoffice_1 (c) ch.dériaz
DiagonaleReport_Homeoffice_1
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Abgesagt aber nicht unsichtbar

Die Unvollendete, diesen schönen, musikalischen Titel haben die Diagonaleleiter Sebstian Höglinger und Peter Schernhuber ihrer abgesagten Ausgabe gegeben.
Gleichzeitig haben sie jetzt tatsächlich einen kreativen Weg gefunden, zumindest einige der Filme fürs Publikum sichtbar zu machen.

Diagonale goes Online

Geplant war die diesjährige Ausgabe vom 24.3. bis 29.3. in diesem Zeitraum werden jetzt an verschiedenen Orten im Internet Diagonale-Filme gezeigt.
FM4, das „Jugendkulturadio“ des ORF bietet auf seiner Webseite Livestreams an:

Am 24. März 3freunde2feinde von Sebastian Brauneis um 20:15 und um 23 Uhr.
Am 25. März um 20:15 läuft an gleicher Stelle Robin’s Hood von Jasmin Baumgartner
und am 26. März um 20:15 gibt es ein Kurzfilmfilmprogramm

Der wunderbare Dokumentarfilm Die Dohnal von Sabine Derflinger wird vom 27. März bis 3. April im KINO VOD CLUB gezeigt. Dort gibt es auch weitere, von Schernhuber und Höglinger kuratierte, aber ältere, Diagonale Filme zu sehen.

Kino zu Hause

Nichts davon kann ein Festival ersetzen, aber es gibt immerhin einen kleinen Einblick in das, was hätte sein können. Und auch das Livestreamen zu festgesetzter Uhrzeit vermittelt, ein klein wenig, Kinogefühl.
Man kann sich also, allein oder mit den erlaubten Mitbewohnern, dem Getränk der Wahl, die Beine hochgelegt, vor einen ausreichend grossen Bildschirm setzen und – hoffentlich – geniessen. Und, wer weiss, vielleicht kann man ja auch zu Hause für ein bisschen Glamour sorgen.

 

DiagonaleReport_Homeoffice (c) ch.dériaz
DiagonaleReport_Homeoffice
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Diagonale 2020 abgesagt

Diagonale Absage

Diagonalefreies Jahr

Heute und morgen hätte eigentlich das Programm der Diagonale präsentiert werden sollen. Erst in Graz, dann in Wien. Es wären die Kataloge verteilt worden in hübschen Taschen mit den ikonischen Diagonale Streifen, es wäre – vermutlich – ein schönes grosses Brillen- oder Displayputztuch drin gewesen, eventuell ein paar steierische Kürbiskerne.

Die Festivalleiter Peter Schernhuber und Sebastian Höglinger hätten kurz über die Filme gesprochen, sie hätten den Sponsoren gedankt und Lust gemacht auf den Start am 24. März.

Nichts davon findet nun statt.

Es wird also auch nicht der Bundespräsident Van der Bellen bei der Eröffnung sprechen, man wird auch nicht einschätzen können, wie die noch neue Regierung zur Filmkunst steht. Wäre die grüne Kunststaatssekretärin Ulrike Lunacek gekommen? Hätte sie sich unter die Filmschaffenden gemischt, ein offenes Ohr für deren Anliegen gehabt?

Nichts davon werden wir wissen.

Diese Absage, so verständlich sie auch ist, ist nicht nur ein wirtschaftlicher Verlust, sie ist auch ein grosses künstlerisches Problem.
Einen Film in der Leistungsschau des heimischen, also österreichischen, Films laufen zu haben ist mehr als nur erfreulich. Es bietet die Möglichkeit gesehen zu werden, von Kritikern aus dem In-aber auch aus dem Ausland, es bietet die Möglichkeit mit zukünftigen Geldgebern in Kontakt zu treten, Werbung für sich und seine künstlerische Arbeit zu machen. Eine Arbeit für die es oft genug zu wenig Geld gibt, nicht nur aber auch gemessen an der oft langen Zeit, die es braucht, bis ein Film von der Idee auf die Leinwand kommt.

All das wird es dieses Jahr nicht geben.

Keine Show, kein Austausch, keine Preise, keine neuen Eindrücke vom aktuellen österreichischen Filmschaffen.

Das ist sehr, sehr schade.